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China 8

„Die Kulturhauptstadt Europas Ruhr.2010 hat gezeigt, dass die Kulturmetropole Ruhr mit partnerschaftlicher Kooperation international wettbewerbsfähig ist. Eine Woche nach der Eröffnung der Biennale in Venedig wird CHINA 8 an Rhein und Ruhr, so ist es unser Wunsch, zu einem weiteren Meilenstein im Kunstkalender Europas.“
Fritz Pleitgen, ehemaliger Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH

Andreas Kuschner | Bundespräsident Joachim Gauck gemeinsam mit Walter Smerling
Wang Dongling | "China 8. Tradition heute – Tuschezeichnung und Kalligrafie", 2015, Kunstmuseum Gelsenkirchen
Yuan Gong, Money Tree, 2009, Installationsansicht, "China 8. Modelle der Irritation – Installation und Skulptur", 2015, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr
Ausstellungsansicht "China 8. Panorama der Malerei – Junge und etablierte Positionen", 2015, Kunsthalle Recklinghausen
Georg Lukas, Essen | China 8-Busse
Xu Bing, Glück auf

Die Idee hatte es in sich: Angedacht von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V., umgesetzt von den Museen an Rhein und Ruhr im Sommer 2015, war CHINA 8 ein erstes, ein internationales Gemeinschaftsprojekt im Nachgang der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010. Das Ziel: den interkontinentalen Kulturaustausch zum Leuchten bringen. Nie zuvor hatte es in der Metropole Ruhr einen intensiveren Transfer von aktueller Kunst aus dem Reich der Mitte nach Deutschland für eine städteübergreifende Präsentation in acht RuhrKunstMuseen und dem NRW-Forum Düsseldorf gegeben. Die künstlerische Leitung, bestehend aus Walter Smerling, Sprecher des Kuratoriums und Direktor des MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg, Ferdinand Ullrich, dem damaligen Direktor der Kunsthalle Recklinghausen und Tobias Bezzola, damaliger Direktor des Museum Folkwang in Essen, notierte für die Presse: "Es ist die bislang größte museale Bestandsaufnahme zeitgenössischer chinesischer Kunst weltweit."

 

CHINA 8

Im Mai 2015 startete die Mega-Schau. Der damalige Bundesminister Sigmar Gabriel als Schirmherr eröffnete die Präsentation der Superlative im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Insgesamt 9 Museen in 8 NRW-Städten gaben die große Bühne für 500 Werke von 120 zeitgenössischen Künstlern*innen. So viel chinesische Kunst im Revier war nie. CHINA 8 dauerte von Mai bis September. Gerade einmal 18 Euro kostete das Kombi-Ticket und on top setzte ein kostenloser Bus-Shuttle zwischen den Museen quer durchs Revier die Vernetzung des Kulturgebiets Ruhr in die Tat um. Das traf auf Gegenliebe. Nach nur 10 Tagen Laufzeit konnte CHINA 8 vermelden: Schon 14.000 Besucher, darunter überproportional viele Jüngere, hatten die exklusive Gelegenheit genutzt, die erstmals in Deutschland so umfangreich gezeigte Gegenwartskunst nah dran auf den Spuren einer in vielen Facetten außergewöhnlichen Kultur zu erleben. Ganz klar: Ganz NRW, aber auch international angereistes Publikum war neugierig auf Kultur und Mentalität aus dem Land des Lächelns. Überraschungen, Irritationen stärkten den interkulturellen Dialog.

 

Mega-Schau und Gratis-Katalog

CHINA 8 – das war aber nicht nur ein Mammut-Projekt, sondern auch ein ambitionierter Spartenein- und überblick zur zeitgenössischen Kunst Chinas. Skulptur, Fotografie, Tuschzeichnung, Kalligraphie, Installation und Objektkunst, Video- und Sound-Art fanden sich gattungsspezifisch auf die Ausstellungshäuser verteilt. Das Lehmbruck Museum in Duisburg etwa stellte "Neue Figuration – Erzählende Skulptur" vor, das Kunstmuseum Gelsenkirchen "Tradition heute – Tuschemalerei und Kalligraphie", das Skulpturenmuseum Glaskasten Marl "Die angehaltene Zeit – Video und Sound" und das NRW-Forum Düsseldorf bot mit "Overview – Blicke auf China" einen orientierenden Auftakt. Wer den Ausstellungsmarathon nachweislich meisterte und alle CHINA 8-Ausstellungen gesehen hatte, gewann den Jackpot. Den 500 Seiten gewichtigen, mit über 300 Abbildungen reich illustrierten Katalog gab es als Geschenk fürs Intensivinteresse. Die Dokumentation ist ein vorzügliches Kompendium, das bis heute einen Überblick zur chinesischen Gegenwartskunst gibt, und als gebundene Ausgabe für 49,80 € im Handel erhältlich ist.

 

Am Puls der Zeit

Was aber wäre eine Großveranstaltung ohne ein intensives Vermittlungsangebot? CHINA 8 spielte inspirierend auf: mit zahlreichen kulturphilosophischen, mit kunsthistorischen Veranstaltungen. Für lebhafte Diskussionen. Sie takteten den Kulturaustausch Europa – Asien am Puls der Zeit. Was macht chinesische Kunst besonders? Was unterscheidet sie von der "West-Kunst"? Warum fehlt der berühmte chinesische Künstler Ai Weiwei im Ausstellungsreigen? Wie wurde ausgewählt? So war etwa das Geburtsdatum der Künstler*innen auf ein Zeitfenster vornehmlich zwischen 1950 und Mitte der 1970er begrenzt, sodass die älteren Künstler die von Mao Zedong 1966 eingeleitete Kulturrevolution (bis circa 1977) noch miterlebt hatten, während den Jüngeren die maoistische Vergangenheit nur mehr noch ein Hörensagen ist. Mit Neugier durfte man da hin gucken, und tat es auch, ob und wie sich in der chinesischen Gegenwartskunst die geschichtliche Entwicklung und der rasante Strukturwandel des Landes spiegeln. Vergleiche zum Strukturwandel der Metropole Ruhr ließen CHINA 8 einmal mehr "als einen Meilenstein im Kulturkalender Europas" strahlen.

 

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