ÖPNV-Edition: Marl, Gelsenkirchen und Recklinghausen
Immer in Bewegung bleiben
im Skulpturenmuseum Marl, dem Kunstmuseum Gelsenkirchen und der Kunsthalle Recklinghausen
Start und Ziel: Marl, Sinsen Bhf
Das nördliche Ruhrgebiet steht heute auf dem Plan und wir beginnen unsere kleine Rundreise am Bahnhof Marl-Sinsen. Von dort aus steigen wir entweder in den Bus 220 (Richtung Recklinghausen Hbf) oder den Bus 222 (Richtung Wacholderstr.) und fahren etwa 5 Minuten zum Übergangsstandort des Skulpturenmuseums Marl in der Georg-Herwegh-Straße 63-67. Während das Marler Rathaus saniert und der neue Museumsstandort umgebaut wird, hat das Team Quartier in der Martin-Luther-King-Schule bezogen.
Dort verwandelt aktuell der Essener Künstler Christian Odzuck mehrere ehemalige Klassenräume in eine Art künstlerisches Labor und legt damit den Besucher:innen seine Arbeitsweise offen.
Auch wenn der Künstler selbst gar nicht anwesend ist, hat man das Gefühl ihm bei seiner Arbeit über die Schulter sehen zu können. Auf den ersten Blick scheint es sich dabei um klassische Skulpturen zu handeln. Allerdings bewegen sich seine Arbeiten zwischen analoger und digitaler Welt, entstehen sie doch aus Virtual Reality-Zeichnungen, die anschließend im 3D-Druck umgesetzt werden.
Staunen, entdecken und erleben
Zu unserer nächsten Station besteigen wir erneut den Bus der Linie 222, allerdings nun in Richtung Gelsenkirchen, und fahren bis zur Endstation Rathaus Buer. Zugegebenermaßen dauert die Fahrt mit knapp 50 Minuten etwas länger, aber es lässt sich einiges entdecken, das man so vielleicht noch nicht kannte. Und wir haben es heute ja auch nicht eilig. Von der Haltestelle in Buer sind es nur wenige Schritte bis zum Kunstmuseum Gelsenkirchen. Hier warten verschiedene Wechselausstellung und eine tolle Sammlungspräsentation auf uns. Bevor wir uns dem Kunstgenuss hingeben, kehren wir jedoch zunächst im Museumsbistro Pirandello ein und genießen auf der Museumsterrasse italienische Köstlichkeiten.
Frisch gestärkt geht es in die kinetische Abteilung des Kunstmuseums. Hier heißt es Staunen und Entdecken – alles dreht sich, täuscht die Augen macht Geräusche oder Licht. Und das Beste daran ist, dass man manche Werke selbst in Bewegung setzen darf!

In der Gemäldesammlung entdecken wir Werke von Karel Appel, Max Liebermann, Gerhard Richter und Andy Warhol. Allerdings wird hier nicht kunstgeschichtlich sortiert. Viel eher reagieren die Werke in ganz spannender Weise aufeinander. Die Wechselausstellungen in der „alten Villa“ lassen wir heute ausfallen und machen uns auf dem Weg zurück zum Rathaus Buer. Von dort aus erreichen wir mit den Bussen 230 und 249 (Richtung Recklinghausen Hbf) unsere nächste Station – die Kunsthalle Recklinghausen.
Installationen und Interaktionen
Direkt gegenüber des Hauptbahnhofs, in einem ehemaligen Hochbunker, befindet sich seit 1950 eines der außergewöhnlichsten Ausstellungshäuser des Ruhrgebiets. Die Geschichte des Hauses ist dabei eng mit den Ruhrfestspielen verknüpft. Aktuell zeigt die Kunsthalle daher auch noch die Begleitausstellung zum Theaterfestival „Flo Kasearu – Flo’s Retrospective“.
Die estnische Künstlerin befasst sich dabei mit sozialen und politischen Fragestellungen, die sie in installativen und interaktiven Werken umsetzt. In der Kunsthalle spielen vor allem wirtschaftliche Krisen und damit verbundene Nationalismen eine zentrale Rolle. Was erst einmal trocken oder vermeintlich anstrengend klingt, stellt sich jedoch ganz anders dar: Einen ersten Eindruck, wie bunt und spielerisch es in den Ausstellungsräumen zugeht, vermitteln bereits die vier großen Schaufenster zur Straße, die in Gelb- und Orangetönen leuchten.
Wer Glück hat, kann auch die Performance „Disorder Patrol“ live im Stadtraum erleben (nächste Termine: 23. Juli und 7. August, jeweils 12-14:30 Uhr). Dabei sind Menschen in absurden Uniformen in Recklinghausen unterwegs. Entweder zu Fuß oder auch zu Pferde schwingen sie bunte Gymnastikbänder und formieren so einen Gegenentwurf zu den immer populärer werdenden Bürgerwehren.
Auch wenn wir die Performance heute verpasst haben, machen wir trotzdem einen kleinen Abstecher in die Recklinghäuser Innenstadt – die gute Stube – und gönnen uns eine Altbierbowle im Drübbelken (Münsterstr. 5).
Anschließend steigen wir am Hauptbahnhof in den RE42 (Richtung Münster) und sind innerhalb weniger Minuten wieder an unserem Ausgangspunkt in Marl-Sinsen angekommen.