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Recklinghausen

Kunsthalle Recklinghausen

Die Natur einer Kunsthalle liegt darin, sich mit Ausstellungen ständig neu zu erfinden. Zwar verfügt die Kunsthalle Recklinghausen auch über eine eigene Sammlung, doch stehen Einzelausstellungen vor allem von Gegenwartskunst eindeutig im Fokus.

Vorbildlich verwebt die Kunsthalle Recklinghausen dabei ihre Funktionen: Sie ist Plattform einer regionalen Kunstszene, Ausrichter des deutschlandweit anerkannten Wettbewerbs "junger westen" und zu den Ruhrfestspielen jedes Jahr Ausstellungshalle für internationale Positionen.

 

Ein symbolträchtiger Bau mit Charakter

Zentraler als schräg gegenüber dem Hauptbahnhof kann ein Museum nicht liegen. Von außen wirkt der umgenutzte Hochbunker auch nach der Modernisierung 2011 mit seinen metertiefen Außenmauern abweisend und funktional. Auch die drei fast quadratischen Stockwerke mit dunkel gefliesten Böden und Neonröhren unter hohen Decken verstecken nicht die ehemalige Funktion des Baus und geben ihm dadurch gleichzeitig einen Charakter, der Künstlerinnen und Künstler immer wieder zu ortsbezogenem Arbeiten anregt. Zunächst als Provisorium gedacht, war der Hochbunker fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auch symbolisch aufgeladener Raum der Eröffnungsausstellung "Deutsche und französische Kunst der Gegenwart – eine Begegnung".

 

Ausstellungshalle der Ruhrfestspiele

Mit der Eröffnung der Kunstausstellung der Ruhrfestspiele Recklinghausen beginnt seitdem jährlich im Mai der Ausstellungsreigen in der Kunsthalle Recklinghausen, erst lange weiterhin mit großen Themenschauen, seit Mitte der 1990er-Jahre dann meist mit einer Einzelausstellung zeitgenössischer Kunst, zum Beispiel von Henry Moore, Magdalena Jetelová oder Jan Fabre.

Im Jahr 2017 stellte die Kunsthalle mit der Überblicksausstellung "Auf dem Weg zur Avantgarde – Die Künstlergruppe junger westen" anlässlich ihres 70-jährigen Jubiläums dann auch einen wichtigen Teil der eigenen Geschichte aus: Um die Kunsthalle sammelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg Künstler des Ruhrgebiets, die im Weg in die Abstraktion die adäquate künstlerische Antwort auf die industrielle Lebenswelt sahen. Die reine Männerriege der Gründungsmitglieder bestand aus Gustav Deppe, Thomas Grochowiak, Ernst Hermanns, Emil Schumacher, Heinrich Siepmann und Hans Werdehausen und beeinflusste die künstlerische Strömung in der jungen Bundesrepublik. Dem wohl berühmtesten Mitglied der Künstlergruppe "junger westen", und gleichzeitig einem der Hauptvertreter der informellen Malerei, Emil Schumacher, wurde in Hagen ein eigenes Museum gewidmet .

 

Kunstpreis "junger westen"

Einen besonderen Stellenwert für die Kunsthalle Recklinghausen haben die zweijährlich durchgeführten Ausstellungen des mit 10.000 Euro dotierten Kunstpreises "junger westen", der auf die genannte Künstlergruppe zurückgeht. Der seit 1948 verliehene Preis wird mittlerweile alle zwei Jahre abwechselnd in den verschiedenen künstlerischen Disziplinen vergeben. Bewerben können sich Künstlerinnen und Künstler deutscher Staatsangehörigkeit und Künstlerinnen und Künstler, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben, und nicht älter als 35 Jahre sind. Zusätzlich zum Preisträger werden weitere ausgewählte Positionen zur Gruppenausstellung eingeladen, die dem Besucher damit einen konzentrierten Überblick über zeitgenössische Tendenzen bietet.

Unter den Preisträgern sind so unterschiedliche Künstler wie Gerhard Richter (1967), der in der Sammlung mit seinem Gemälde "Kitchen Chair" vertreten ist, Ulrich Genth (2001), der zehn Jahre nach dem Gewinn des Preises mit seiner Partnerin Heike Mutter die riesige, begehbare Haldenskulptur "Tiger and Turtle – Magic Mountain" in Duisburg eröffnete, oder Michael Sailstorfer (2011), dessen "Mückenhäuser" die ehemalige Bahnstrecke zwischen Hubertusstraße und Friedrich-Ebert-Straße in Recklinghausen säumen.

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