Skulpturenmuseum Marl
Update #15 – Zeichen setzen
ZEICHEN SETZEN
Das Skulpturenmuseum Marl ist durch über 100 Arbeiten im öffentlichen Raum bekannt. Die Stadt Marl ist nicht nur durch die hochkarätige Museumssammlung geprägt, sondern auch durch zahlreiche künstlerische sowie anonyme Street-Art-Werke in allen Stadtteilen Marls. Diese besondere Situation war Ausgangspunkt für die Kooperation des Skulpturenmuseums, zwei achten Klassen der Willy-Brandt-Gesamtschule, zwei vierten und zwei dritten Klassen der Martin-Buber-Schule und dem Jugend- und Kulturzentrum Hagenbusch.
Wie nehmen Schüler:innen Kunst im öffentlichen Raum wahr, wird diese als solche erkannt? Wie unterscheiden sich bildhauerische Arbeiten von solchen der Street-Art? Welche Gemeinsamkeiten gibt es? Die Kinder und Jugendlichen beschäftigten sich mit musealer Ausstellungsmethodik sowie mit Graffiti als Kunstform und Ausdruck urbaner Kultur. Der Blick wurde geschärft für die unterschiedlichsten Formen der Street-Art. Gemeinsam diskutierten und entwickelten die Schüler:innen ihre politischen und gesellschaftskritischen Botschaften in unterschiedlichsten Street-Art-Techniken.

Die Kinder und Jugendlichen lernten das Museum, seine Aufgaben und seinen Bezug zur Stadt kennen. Sie erkundeten ihre Lieblingsplätze in der Schule, erforschten ihren Schulweg. Besondere Orte wurden markiert, Botschaften aus Kreide „gegen Rassismus“, „kein Mobbing“ oder „wir bilden Gemeinschaft“ wurden an ausgewählten Orten hinterlassen. Gemeinsam erarbeiteten die Schüler:innen Verbesserungsideen für eine urbane Gestaltung, in der sie sich repräsentiert fühlen.
Im Hagenbusch wurden weitere Street-Art-Praktiken vorgestellt und dort direkt ausprobiert. Die Jugendlichen konnten selbstbestimmt entscheiden, mit welchen Techniken sie ihre Botschaften an die Stadt umsetzen wollten. Sie sprühten ihre Äußerungen nicht nur mit Farbe auf Böden und Wände, sondern gestalten diese mit Lichtgraffiti, häkelten und stickten Meinungen wie „Feminismus ist wichtig“ oder „Nazis raus“. Dreidimensionale, kleine, aus Papier gefaltete abstrakte Objekte, platziert an städtischen Objekten und in der Natur, sorgten für Irritationen und regten zum Nachdenken an. Sie markierten Fehlstellen.
Die zahlreichen Fragestellungen und kreativen Interventionen waren Impuls, um abschließend ein eigenes, ortsspezifisches Projekt zu entwickeln.
Die Klasse 8d wählte für ihr Abschlussprojekt den Straßenübergang direkt vor ihrer Schule. Dort sind Fahrbahnschwellen auf dem Boden montiert, um die Geschwindigkeit der einfahrenden Fahrzeuge zu drosseln. Trotzdem sind einige laut der Schüler:innen an manchen Tagen noch immer zu schnell. Für die
Sicherheit beim Überqueren der Straße, ließ die Klasse dort nun mit Hilfe von Sprühfarben, Schablonen und freihändig gesprühten Motiven einen farbenfrohen Übergang aus geometrischen Zeichen und anderen Motiven entstehen. Die Idee dahinter war, durch die künstlerische Gestaltung die Aufmerksamkeit der Autofahrer:innen auf die bunten Motive zu lenken, um so zur langsameren Fahrt zu animieren.
Die Klasse 8e suchte sich ein aus Steinblöcken gebautes Rondell in der Nähe der bekannten Hügelhäuser in Marl aus. Der Ort war seit längerer Zeit ungenutzt und wirkte etwas verloren. Die Schüler:innen beschlossen, den Platz zu verschönern, um dort wieder Aufenthaltsqualität zu schaffen. In mehreren Arbeitsstunden zupften die Jugendlichen das Unkraut, reinigten alle Steine der Umrandung und versahen diese mit einem Grundanstrich. Die Gestaltung mit unterschiedlichen Farben, Mustern und politischen Botschaften – „Peace“, „Frieden für die Ukraine“ – lädt nun wieder zum Verweilen und Austausch über Gesellschaft und Umwelt ein. Die Klasse 4a hat ein Zeichen für den Frieden gesetzt und an den Scheiben der Terrasse des Jugend- und Kulturzentrums Hagenbusch aus Origamirosen große Peace-Zeichen geklebt. Metallisch glänzende Fantasietiere hat die Klasse 4b als künstlerische Intervention im angrenzenden Wäldchen, dem Hagenbusch, ausgesetzt.