Gustav-Lübcke-Museum Hamm
Update #16 – Tierische Papierwelten
Welten aus Papier
Ausgehend von den verschiedenen Sammlungen des Gustav-Lübcke-Museum untersuchten Grundschüler:innen der Wilhelm-Busch-Schule umfassend Entstehungsgeschichte, Eigenschaften sowie unterschiedliche Verwendungen des Werkstoffs Papier. Aus diesem Grund kooperierten die Kunstvermittler:innen des Gustav-Lübcke-Museum mit der Zentralbibliothek als Drittem Ort. An beiden Orten ist Papier ein wesentliches Medium: In der Kunst dient der Werkstoff nicht nur als Träger von Zeichnungen, Graphiken, sondern auch für dreidimensionale, skulpturale Gestaltungen. In der Bibliothek lernten die Kinder Bücher als Informations- und Wissensspeicher kennen. Sie erfuhren darüber hinaus, wie Papier und Bücher hergestellt werden und wie sich audiovisuelle, digitale und analoge Medien unterscheiden. Sie gingen spannenden Fragen nach. Zum Bespiel: Wie ist der Bedarf von Papier heute? Lohnt sich die Papierproduktion überhaupt noch? Wie kann Papier künstlerisch verwendet werden und welche Techniken wendet man für dreidimensionale Papierobjekte an?

Museum und Stadtbücherei verbindet die Nähe zum Bahnhof. Das 2010 eröffnete Bildungs- und Kulturzentrum, das sogenannte Heinrich-von-Kleist-Forum, in dem unter anderem die Stadtbücherei untergebracht ist, schließt direkt an den Bahnhofsvorplatz an. Der überschaubare Platz mit seinen zahlreichen Bänken und niedrigen Büschen ist wie die Bibliothek ein einladender und gut besuchter Ort, an dem die Menschen gern verweilen. Der Wandel der Innenstädte ist hier stark sicht- und spürbar. Umso wichtiger war es den Kunstvermittler:innen an diesem Ort ein Zeichen zu setzen, für eine lebendige Stadt, für ein Miteinander und für Kunst und Kultur.
Nach jedem Besuch im Museum, sei es in den Ausstellungen oder in den Workshops, wuchs bei den Kindern das Interesse am Material Papier. Sie erkannten, wie wichtig, vielfältig und wandelbar es ist. In der Sammlung Altes Ägypten lernten sie unterschiedliche Papiersorten wie Papyrus und Kartonage kennen. Papier als Bildträger von Zeichnungen, Aquarellen oder Druckgraphiken war Untersuchungsmotiv in der Sammlung Kunst. Dreidimensionale papierne Objekte wie Papierkleider und Pappmachée-Hüte bestaunten die Schüler:innen in der Sammlung Angewandte Kunst. In der Sammlung zur Geschichte der Stadt Hamm, mit ihren Büchern, Plakaten, Flugblättern sowie Zeitungen, konnte der Bogen zur Stadtbücherei geschlagen werden. Dort beschäftigten sich die Kinder mit dem Buchdruck, der Buchbindung und erkundeten die Bereiche und Arbeitsweise der Bibliothek. Sie lernten wie die automatische Buchrückgabe und die Sortieranlage im Keller funktioniert. Am Ende hielten alle Kinder einen Büchereiausweis in den Händen.
Die Besuche in Museum und Bücherei wurden durch vertiefende Workshops ergänzt. In den Werkräumen des Museums experimentierten die Kinder mit verschiedenen Papiersorten. Sie schrieben und illustrierten auf Papier, rissen, falteten, knickten, knüllten und prickelten. Es wurde viel und oft ausprobiert, geübt und experimentiert, nicht nur um ein feinmotorisches Knowhow zu erlangen, sondern auch um die Koordination von Hand und Auge zu fördern. Die Begeisterung im Umgang mit Papier wuchs, je mehr die Kinder ein Geschick dafür entwickelten. Gefertigt wurden vor allem dreidimensionale Tierobjekte, denn oberstes Ziel war es, eine Szenerie aus papiernen Tierfiguren zu erschaffen, die in der Stadtbücherei, dem Dritten Ort, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würde. Unter dem Titel „Tierische Papierwelten“ war die Ausstellung vom 12. April bis 25. Juni 2022 in der Stadtbücherei zu sehen.
Wie unendlich die Gestaltungsmöglichkeiten im Umgang mit Papier sind, präsentierte das Gustav-Lübcke-Museum in Hamm im Laufe des Projekts RuhrKunstUrban in der großen Ausstellung „Faszination Papier – fascination paper“ vom 14. August 2022 bis 15. Januar 2023. Beteiligt daran waren einunddreißig renommierte Künstler:innen aus dem In- und Ausland, deren Werk für virtuose Papierkunst steht.