Kunstmuseum Bochum

Update#17 – KUNSTGEHEGE UND TIERMUSEUM

KUNSTGEHEGE UND TIERMUSEUM

Das Kunstmuseum Bochum mit seinem Dritten Ort, dem Tierpark + Fossilium Bochum wurden gemeinsame Arbeits- und Ausstellungsorte. Mit der Kindertagesstätte Kinderglück e.V. und der Matthias-Claudius-Gesamtschule wurden zwei umfangreiche Vermittlungsprojekte entwickelt.
Das Format wurde der Coronasituation und den erschwerten Möglichkeiten angepasst, an den jeweiligen Orten zu arbeiten; im Museum, in der Kita, in der Schule und im Tierpark. Die Folgen der Pandemie für junge und ältere Kinder und die Möglichkeit, sie mit künstlerischen Mitteln zu entschärfen, wurden für ein modifiziertes Konzept das Leitmotiv.
Den Anfang machten Vorschulkinder, ihnen folgten Schüler:innen der Sekundarstufe I und Sekundarstufe II. Alle Ergebnisse wurden in einem leergezogenen Tiergehege sichtbar, hörbar, lesbar präsentiert.

Die Kindergartenkinder befassten sich in dem Projekt "Wilde Kreaturen – Der Blubgrunzpieper" mit Tieren und Tierdarstellungen. Tiere stehen in einer elementaren Beziehung zu jungen Kindern, entsprechen ihren Interessen. Ausgehend von den Kunstwerken von Anselme Boix-Vives und Constant, setzten sich die Kinder spielerisch mit Aussehen, Eigenschaften, Verhalten und Ernährung von Tieren auseinander. In der praktischen Umsetzung erfanden sie "wilde Kreaturen", die aus mehreren Tieren fantasievoll zusammengesetzt waren. Ein Film dokumentiert den Umzug der großformatigen Holztiere durch den urbanen Raum, vom Kunstmuseum Bochum bis zum Tiergehege, wo sie ihren Aufenthaltsort fanden.

Für das zweite Projekt "Schutz und Enge – Mein (Kinder)zimmer im ersten Corona-Lockdown" reflektierten über viele Monate hinweg die Schüler:innen der Matthias-Claudius-Gesamtschule ihre Erfahrungen und ihre Empfindungen während des ersten Corona-Lockdowns. Die Teilnehmenden haben während des Projekts vielfältige Erfahrungen machen können. Ohne vorgegebene Ergebnisse, offen diskutierend sowie selbst konkretisierend haben sie sich gefragt, mit welchen Fragestellungen sie sich beschäftigen wollen und wie dies in künstlerischen Darstellungen sichtbar werden kann. Der Arbeitsprozess und das Experiment standen hierbei im Vordergrund. Die Pandemie und ihre Folgen, Homeschooling, Maskenpflicht, tägliche Coronatests, Schließungen und Ausgangssperren – all das konnten die Schüler:innen in künstlerischen Aktionen, über die sie selbst entschieden, aufarbeiten. Innerhalb eines Jahres arbeiteten ca. 90 Schüler:innen der Klassen 7a und 10b, der Berufspraxisstufe und der Theater-AG der Matthias-Claudius-Gesamtschule auf unterschiedliche Weise mit dem Thema. Es entstanden Podcasts, Filme, Modenschauen, Performances, Fotografien und Objekte. Die Ergebnisse trugen die Gruppen in einer gemeinsamen hybriden Ausstellung in dem zuvor leerstehenden Gehege im Tierpark + Fossilium Bochum zusammen.

Ausgangspunkt und Inspirationsquelle für den ersten Teil des Projekts waren die Arbeiten des Künstlers Constant und die fantasievollen Tierdarstellungen in der Wechselausstellung "Anselm Boix-Vives – Malerei für den Frieden", die 2021 im Kunstmuseum Bochum stattfand, und natürlich die realen Tiere im Tierpark + Fossilium Bochum. Die Kindergartenkinder zeichneten, malten Tiere, zerschnitten sie und setzten sie als "Teamtiere" mit besonderen Eigenschaften zusammen.
Sie erfanden Tierbiografien, die oftmals einen realen Bezug zu Umweltverschmutzung, sozialen Problemen und auch zu ganz alltäglichen Fragestellungen der Kinder hatten. Die Geschöpfe wurden farbig, einfallsreich gestaltet und großformatig auf Holz übertragen. Sie trugen seltsame Namen wie zum Beispiel "Erdleone". Nach ihrem Umzug in den Tierpark, wurden die "wilden Kreaturen" dort über einen längeren Zeitraum präsentiert. Sie waren nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar. Sounds zu den Tieren sowie ihre Lebensgeschichten konnten per QR-Code im Tiergehege abgerufen werden.

Auch die Jugendlichen der Matthias-Claudius-Gesamtschule inszenierten im zweiten Teil des Projekts eine künstlerische Intervention im Tierpark. Sie nutzten das Gehege anders, um in diesem geschützten Raum von ihren persönlichen Erlebnissen während der Pandemie zu erzählen. Werke des Kunstmuseum Bochum halfen dabei, den eigenen Gefühlen zwischen Ruhe und Angespanntheit nachzuspüren. Ein in das Gehege eingebrachtes "typisches" Jugendzimmer spiegelte die negativen und positiven Gefühle der Kinder und Jugendlichen während des Lockdowns wider. Digital sind auch drei Versionen dieses Zimmers erlebbar: ein wildes Chaos-Zimmer, ein gemütlicher Schutzraum und ein Langeweile-Raum. Die Schüler:innen der Theater AG berichteten in einem Podcast sehr ehrlich über die Zeit der Coronaeinschränkungen.
Die Zuhörer:innen erfahren einiges über ihr Leben und den Einfallsreichtum, mit der neuen Situation umzugehen. Lena zum Beispiel fuhr mit einer Freundin immer wieder schreiend und singend mit dem Longboard einen Berg in Dahlhausen herunter und puzzelte wie verrückt. Lauri spielte mit einem Staubsaugerrohr Golf, seine Familie machte sich zum Essen in der Küche schick. Ein Film zeigte eine Corona-Modenschau, in der die Jugendlichen immer nachlässiger werden und schließlich verwildern. In einem anderen spielten die Schüler:innen analog ein Zoom-Meeting nach. Über QR-Codes konnten die Besucher:innen die Podcasts, Inszenierungen und Filme vor Ort abrufen.

 

 

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