MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg
Update #01 – URBANE EXPLOSIONEN – OUT OF THE BOX
URBANE EXPLOSIONEN – OUT OF THE BOX
Die Kunstvermittler:innen des Museum Küppersmühle für Moderne Kunst richteten den Blick auf künstlerische Reaktionen, die Ereignisse, Umbrüche und Konventionen der Vergangenheit und der Gegenwart zum Inhalt haben. Die Sammlung des Museums stellte den Ausgangspunkt aller Workshops dar. Viele der dort präsentierten Künstler:innen wagten nach Unterdrückung, Rassismus und Kriegserfahrung einen inhaltlichen oder formalen Neuanfang. Kooperationspartner des Museums waren das Mercator Gymnasium und zwei Dritte Orte, das Anti-Rassismus Informations-Centrum ARIC-NRW e. V. und das HIGH FIELD in Duisburg-Hochfeld. ARIC-NRW ist ein Verein, der eine praxisorientierte Anlaufstelle für von Rassismus betroffene Menschen und in der antirassistischen Arbeit Tätige ist. Das HIGH FIELD versteht sich als Modellprojekt für Stadtteilgestaltung, als Aktionsraum für produktive und kreative Zusammenarbeit zwischen Schule und Kunst. Kinder und Jugendliche können dort ihre Positionen, Anliegen und Themen durch künstlerische Praxis sichtbar machen.
Zwei elfte Jahrgänge nahmen an Anti-Rassismus-Trainings von ARIC teil. Ihre Auseinandersetzungen mit modernen künstlerischen Positionen des Museums und dem urbanen Raum präsentierten sie im HIGH FIELD. Die inhaltlichen Schwerpunkte der beiden Projektdurchläufe URBANE EXPLOSIONEN und OUT OF THE BOX orientierten sich an den curricularen Vorgaben, vor allem aber an den Interessen der Schüler:innen. Die Workshops fanden im Museum, in der Schule und an den beiden Dritten Orten statt.
Wo schauen wir hin und wo nicht? Was nehmen wir wahr und was nicht? Wie blicken wir auf etwas? Wie kann ich als Individuum künstlerisch auf Situationen, Ereignisse oder Umstände reagieren? Mit diesen Fragen starteten die Schüler:innen im Juli 2021 in das Projekt URBANE EXPLOSIONEN und begaben sich auf die Suche nach Antworten im öffentlichen Raum. Durch die Betrachtungsübungen wurde der Blick für Kunst im öffentlichen Raum geschult und individuelle Vorlieben deutlich: So zeigte sich, dass manche Schüler:innen vor allem Grünflächen und Pflanzen im öffentlich Raum ästhetisch und spannend fanden, andere hingegen interessierten sich ausschließlich für Graffiti oder den Einsatz bestimmter Farben von Parkbänken und Mülleimern.
Ausgehend von der intensiven Auseinandersetzung mit Architektur, Fragen der Perspektive und Kunst im öffentlichen Raum sowie den Themen Rassismus, Diskriminierung und den eigenen Handlungsmöglichkeiten, entstanden eindrucksvolle Fotoarbeiten und künstlerische Momente im öffentlichen Raum. Die Schüler:innen fotografierten, diskutierten, texteten, dokumentierten, interviewten, kuratierten. Hierbei setzten sie sich intensiv mit sich selbst, ihrer Umgebung und Wahrnehmung auseinander und fanden hierfür künstlerische Umsetzungen. Die Ergebnisse wurden während der Sommerferien 2021 im HIGH FIELD gezeigt. Die Präsentation im Schaufenster des Projektraums zog viele Blicke von vorbeilaufenden Passant:innen auf sich.
Die Jugendlichen, die im Juni 2022 an OUT OF THE BOX teilnahmen, stellten dagegen Fragen an die Herstellung von Kunst in den Mittelpunkt: Was ist Kunst? Was alles kann Kunst sein? Wo fängt Kunst an? Wie sieht Kunst im musealen und wie im urbanen Raum aus? Sie beschäftigten sich schwerpunktmäßig mit alternativen Formen malerischer Prozesse. Vor allem von der Informellen Kunst des MKMs wie beispielsweise der Malweise von K.R.H. Sonderborg, der mit Füßen Farbe auf die Leinwand brachte, waren die Schüler:innen beeindruckt. Wie können beispielsweise Dynamik oder Spontaneität auf eine ungrundierte Leinwand gebracht werden? Der ungespannte Stoff wurde mit Fingern, Ellenbogen und Füßen bearbeitet sowie mit Spachteln und Pipetten in einer zweiten Arbeitsphase verfeinert – eben allen Werkzeugen außer dem klassischen Pinsel. Auf dem Weg zum ausgestellten Kunstwerk überlagerten sich Schichten der Gemälde genauso wie verschiedene Konzepte, Ideen und Arbeitsprozesse. In jedem Arbeitsschritt entstand so wieder ein neues Kunstwerk. Genauso wurde auch das Medium des Keilrahmens aufgebrochen und neudefiniert: So lagen die Kunstwerke im Ausstellungsort HIGH FIELD auf einem Nest aus Rahmen, hingen über oder hinter Querstreben und waren über 5 Ecken gespannt. Malerei OUT OF THE BOX – abseits der klassischen Konzeption gedacht und im urbanen Raum ausgestellt. Zur Ausstellung erschien ein Katalog, der die Arbeitsweise dokumentiert.
„Insgesamt gibt es drei Zentren, die sich auf der
Scheibe des HIGH FIELD verteilen. Von den drei Zentren splittern einzelne Fotosplitter, die an eine Explosion erinnern, ab. Gleichzeitig kann die Anordnung etwas viel ruhigerem ähneln: dem Bild, wenn ein Stein ins Wasser fällt und von sich das Wasser kreisförmig ausbreitet. Die Zentren setzten sich aus folgenden Motiven zusammen: Die Schule, die Natur und düstere Bilder. Die Schule haben wir gewählt, weil dort viele unser Treffen stattfanden und somit einen zentralen Ort unseres Projekts darstellten. In die Natur sind wir oft innerhalb unserer Workshops gegangen, erkundeten dort den urbanen Raum und setzten uns mit verschiedenen Dingen auseinander. Und die düsteren Bilder haben sich als eigene Gruppe in der Gesamtsichtung der Bilder ergeben.“
Kommentar eines Schülers zum Konzept der Hängung
Stand: Juli 2021