Witten (Walk 2)
Ihr habt die Wahl, denn Witten lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise erleben: Alle, die sich für die Frühgeschichte des Ruhrbergbaus interessieren und das Naturerlebnis suchen, sei die Wanderung Erlebnisraum Muttental empfohlen. Rund 6,5 Kilometer ist der Wanderweg, bei dem festes Schuhwerk zur Grundausstattung gehört. Die Daten dazu gibt es hier. Alle, die Lust auf Public Art und Architektur haben, finden in diesem Walk eine kleine Anregung für einen Spaziergang, der am Saalbau beginnt und endet.
1. GERLINDE BECK: PLATZGESTALTUNG
Auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Franziska wurde 1972 der Grundstein für den Saalbau gelegt. Nach drei Jahren Bauzeit konnte er feierlich eröffnet werden. Im selben Jahr wurde die Künstlerin Gerlinde Becke eingeladen, den Platz zu gestalten. Die verschiedenen skulpturalen Elemente verteilen sich über den Vorplatz des Gebäudes und verbinden sich durch ihre leuchtende Farbigkeit und einheitliche Materialität.
Über den Kreisverkehr in der Bergerstraße geht es nun in Richtung Hauptbahnhof. Hier werfen wir einen Blick auf das Kunstwerk, das sich inmitten des Runds befindet und von den Wittener:innen häufig als Stelzenheinrich, Quirl oder Schneebesen bezeichnet wird. Dem Bildhauer jedoch ging es darum, der Geschichte der Edelstahlproduktion in Witten ein Denkmal zu setzen und interpretiert sein Werk selbst als „Explosion täglicher Erfindungen“.
2. KURT TONI NEUMANN: OHNE TITEL
Oftmals wirken Bahnhöfe heutzutage eher praktisch. Der Wittener Bahnhof entführt uns jedoch mit seinem Empfangsgebäude von 1901 in eine Zeit, als die Lokomotiven noch mit Dampf betrieben wurden.
Während der Wittener Architekt, der das Gebäude im Stil der Neorenaissance konzipierte, heute fast vergessen ist, kennt man seinen Berliner Verwandten Ferdinand, der an der Berliner Charité tätig war, bis heute.
3. RICHARD SAUERBRUCH: BAHNHOF WITTEN
Über die Berliner Straße und vorbei an der Stadtgalerie nähern wir uns der Innenstadt. Dort steht auf dem Platz Casionstraße/Heilenstraße unser nächstes Kunstwerk. Von einem unbekannten Bildhauer geschaffen steht dort der Sackträger. Er erinnert an neuer Stelle an die im 17. und 18. Jahrhundert bedeutsame Sackträgergilde. Die Brunnenanlage mit der Figur wurde 1912 vom Wittener Verschönerungsverein zum Gedenken gestiftet.
4. UNBEKANNT: BRUNNEN MIT SACKTRÄGER
Dort wo der Sackträger bis 1951 an zentraler Stelle stand – am Kornmarkt – bietet sich heute ein guter Blick auf zwei wichtige Gebäude: Zum einen das Rathaus mit seinem markanten Turm, dessen Abschluss bis heute die, als Provisorium gedachte, Kupferkuppel bildet. Zum anderen die Ev. Johanniskirche, die das älteste Kirchengebäude der Stadt repräsentiert. Obwohl 1214 als Pfarrkirche erstmals urkundlich erwähnt, reichen ihre Ursprünge bis ins 9. oder 10. Jahrhundert zurück, wie Grabungen ergeben haben. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Kirche immer wieder umgebaut. Ein Blick ins Innere ist ebenfalls lohnenswert: Egon Stolterfoht, der zum Künstlerkreis um Franz Marc und Otto Dix gehörte, hat hier die Fenster gestaltet, die u.a. den Sündenfall, die Taufe Christi, die Auferstehung Christi und das letzte Abendmahl zeigen.
5. EGON STOLTERFOHT: GLASFENSTER
Über die Ruhrstraße geht es weiter vorbei am Voß’schen Garten. An der Ecke Husemannstraße befindet sich das Märkische Museum Witten. Das Haus gehört zu den ältesten Museen im Ruhrgebiet. Während ab 1886 zunächst heimatgeschichtliche Exponate gesammelt wurden, stehen heute vor allem wichtige Positionen des deutschen Informel, der Expressionismus sowie der Kritische Realismus der 60er- und 70er-Jahre im Mittelpunkt der Sammlung.
5. MÄRKISCHES MUSEUM Witten
Am Ende der Ruhrstraße, gegenüber des Stadtparks, liegt unsere vorerst letzte Station: Haus Witten, oftmals auch Burg Berge zu Witten genannt. Zunächst nur als Palais mit Wohnturm von Franko von Witten errichtet, wurde das Gebäude 1510 durch die Familie Brempt zur Burganlage ausgebaut. Durch veränderte Nutzungen – vom Gerichtsherrensitz über Wohn- und Produktionsstandort der Stahlfabrik J. F. Lohmann bis zum Treffpunkt der Hitlerjugend – erfuhr das Haus zahlreiche Umbauten. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurden in den 90er-Jahren letzte Veränderungen vorgenommen. Stahl, Beton und Glas bilden einen Kontrast zu den historischen Mauerwerken und wahren dennoch den ursprünglichen Grundriss. Dafür wurden die Architekten 1998 mit dem Architekturpreis NRW ausgezeichnet.
6. HANS BUSSO VON BUSSE UND EBERHARD CARL KLAPP: HAUS WITTEN
Nun kehren wir zum Saalbau zurück: An dessen Rückseite befinden sich auf einer kleinen Grünfläche zwischen der Veranstaltungshalle und dem Hotel drei Skulpturen, die nicht nur durch ihre Materialität, sondern auch durch ihre kantige Ausformung sowohl als individuelle Werke, als auch in ihrem Zusammenspiel als Einheit gelesen werden können.
7. VOLKMAR HAASE: DREI PLASTIKEN IM RAUM
