Folgen Sie uns auf Facebook
Folgen Sie uns auf Instagram
ENZur englischen Website wechseln

Horst Linn

Leucht-Turm

Dortmund

Andreas Ren, Bochum © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Etwas abseits der belebten Geschäfts- und Einkaufsstraßen der Dortmunder Innenstadt, im Betenhof, steht seit 2007 der Leucht-Turm von Horst Linn. Die 16 Meter hohe Plastik wurde im Zuge der Neugestaltung des Platzes errichtet, die durch den Neubau der benachbarten Hauptgeschäftsstelle der Dortmunder Volksbank notwendig geworden war. Das Architektenbüro Gerber Architekten, auf dessen Entwürfe das Gebäude zurückgeht, zeichnet auch für die Platzgestaltung verantwortlich. Dabei war Horst Linns Werk, wie Projektskizzen belegen, bereits von Beginn an ein wesentlicher Bestandteil der Planungen.
Seit den 1970er-Jahren schafft der Bildhauer Horst Linn Kunstwerke im öffentlichen Raum. Seine aus drei Edelstahlplatten bestehende Großplastik in Dortmund illuminiert mit im unteren und oberen Bereich integrierten Leuchten den Innenhof. Durch seriell angeordnete quadratische Öffnungen erhalten die Edelstahlelemente einen gitterartigen Charakter. Der Eindruck eines in sich geschlossenen Monuments, wie ihn auch der Werktitel nahe legt, wird zugunsten von Transparenz und Leichtigkeit relativiert. Die durch die Öffnungen ermöglichte Durchsicht unterstreicht zusätzlich die Immaterialität des auf Lichtwirkungen basierenden Werks. Zu Horst Linns bekanntesten Werkgruppen gehören Kupferblechreliefs und Faltungen aus Metallblech. Dabei handelt es sich meist um Wandarbeiten, die den Raum als künstlerisches Element miteinbeziehen. Teilweise liegen ihnen Rasterstrukturen zugrunde, wie sie auch der Dortmunder Leucht-Turm aufweist. Die Dortmunder Lichtskulptur ist allein schon durch ihre Höhe, mit der sie einige der umliegenden Häuser überragt, ein zentraler Blickpunkt des Platzes. Von Südosten gesehen, scheint sie eine Achse mit den Türmen der Marien- und der Reinoldikirche zu bilden. Innerhalb der heute hauptsächlich gastronomisch genutzten und mit Holzdielen versehenen, terrassenartigen Platzanlagedes Betenhofs steht sie inmitten von Tischen und Stühlen und ist durch keinerlei Barriere dem Publikumsverkehr entzogen. Lediglich eine etwa zehn Zentimeter hohe kreisrunde Fläche dient ihr als Fundament und angedeuteter Sockel. Die direkte Konfrontation von Passanten und Werk ist für die Arbeit konstitutiv. Der Leuchtturm, der üblicherweise über große Distanzen Orientierung ermöglicht, ist zum innerstädtischen Leucht-Turm geworden, zur integrativen Komponente des öffentlichen Raums.

Nach oben