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Hans Steinbrenner

Figur

Bottrop

Carsten Gliese, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Wie aus einem Baukasten hervorgegangen, türmen sich unterschiedlich dimensionierte kantige und konisch verjüngte Formen zu einer schmal und vertikal aufragenden Anordnung. Fünf Meter ragt die aus Eichenholz gefertigte Figur aus der Wiese empor. Sie wird vom Betrachter nicht als eine ihm ähnelnde Erscheinung wahrgenommen. Zu hoch ragt sie auf mit ihrer fast dreifachen Höhe des menschlichen Maßes.
Aus einer mehrteiligen Basis erwachsen die Einzelformen, die mit weiteren, nach oben weisenden Elementen versehen sind. Auf zwei ähnliche Figurenabschnitte oberhalb des Sockels folgt ein kleineres Element, das wiederum von einem größeren, nach oben breiter werdenden fortgesetzt wird. Dieses findet schließlich in einer Kombination unterschiedlich großer Formen seinen Abschluss, deren Ausgestaltung nur beim Umrunden der Figur zu erkennen ist. Steinbrenners Figur ist eine abstrakte, vertikal ausgerichtete Skulptur und findet eine optische Entsprechung in den umstehenden Bäumen des Skulpturengartens. Die geometrischen Elemente weisen auf eine abstrakte Komposition hin, die ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt. Erkennbar sind aber auch Bezüge zum Kubismus – zu Pablo Picasso und Henri Laurens – oder zu den kubischen und noch weiter reduzierten, »gebauten« Figuren von Fritz Wotruba. Wenn Hans Steinbrenner diesem Werk den Titel Figur gibt, verweist er zwar einerseits auf die mögliche abstrakte Figuration einer Ausdehnung im Raum, lässt andererseits aber ebenso und gleichwertig die Assoziation zu einer menschlichen oder menschenähnlichen Form zu. Dabei kann man, von der immensen Größe abgesehen, durchaus ganz gegenständlich von Füßen (Basis), Beinen (Unter- und Oberschenkel), in der Mitte des Körpers von geschlossenen Händen und schließlich von einem Abschluss des Kopfes ausgehen. Eine solche Herleitung ist hier naheliegend, da Steinbrenner in den 1940er-Jahren unter dem Einfluss seiner damaligen Lehrer Einzel- und Gruppenfiguren schuf. Die Begegnung mit Bildhauern wie Constantin Brâncusi und Henri Laurens in Paris hat seine Ausdrucksformen deutlich beeinflusst. Nach einer Reihe von biomorphen Figuren mit eher surrealer Anmutung entstanden ab den 1960er-Jahren zunehmend kantig-reduzierte Werke mit gleichförmigen und gering variierenden Elementen, die zunehmend abstrakter wurden.

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