Folgen Sie uns auf Facebook
Folgen Sie uns auf Instagram
ENZur englischen Website wechseln

Donald Judd

Bottrop-Piece

Bottrop

Carsten Gliese, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Auf einer Wiese im Stadtpark nahe dem Josef Albers  Museum Quadrat Bottrop steht ein 1,2 Meter hoher zylindrischer Körper aus rostigem Stahl. Zahlreiche Witterungsspuren mischen sich changierend zu einer vielfältigen Kolorierung des Materials. Im Zylinder ist sichtbar eine runde Platte schräg fixiert. Bottrop-Piece nannte der amerikanische Künstler Donald Judd, einer der Hauptvertreter des Minimalismus, dieses Werk. Es hat keine weitere Bezeichnung, verweist auf nichts.
Judd verwendete Cortenstahl, ein Material, das Rost ansetzt, aber nicht durchrostet. »Bottrop-Stück« – ein pragmatischer Titel, der an anderer Stelle »Essen-Stück« oder »Waltroper Kreis« lauten könnte. In der Reduktion auf eine minimale Charakterisierung entspricht das Werk genau dem künstlerischen Ziel des Bildhauers. Er begann als Maler, arbeitete an verschiedenen Objekten und interessierte sich letztlich vor allem für deren Form. Nicht ein wie auch immer gearteter Inhalt oder Verweis auf einen Bedeutungszusammenhang, eine Geschichte oder ein Ereignis waren ihm wichtig. Ihn interessierte die Form und nichts als die Form, die dann wiederum auf den Raum, in dem sie sich befindet, eine Wirkung ausübt. Im OEuvre von Donald Judd stehen Boxen aus Holz oder Metallkästen mit unterschiedlichen Lackierungen auf Böden oder hängen an Wänden. Einfache Kuben und Quader werden zu Boden- und Wandstücken, die in unterschiedlichsten Gruppierungen Einblicke gewähren oder auch verweigern – je nachdem, ob sie offen oder geschlossen sind. Die Einfachheit der Formen und ihre Platzierung an einer Wand, auf dem Boden oder auch im Raum lassen schnell erkennen, dass nicht nur das vom Künstler geschaffene Objekt das eigentlich von ihm Gemeinte ist, sondern auch die sich ergebenden Zwischenräume, die Gesamtfläche eines Raumes oder – wie hier in Bottrop – ein Rasenstück. Die zylindrische Form des Bottrop-Piece steht in Kontrast zum benachbarten orthogonal wie horizontal ausgerichteten Museumsgebäude: Der Kreis tritt in Wechselwirkung mit dem Quadrat, die schräge Platte in Kontrast zur Architektur des Bottroper Quadrats, das sich durch den Museumsnamen auf eine der Konstanten im Werk des aus Bottrop stammenden Bauhaus-Künstlers Josef Albers bezieht. Donald Judd hat Bottrop-Piece 1977 speziell für diesen Ort geschaffen, als das Josef Albers Museum eine Ausstellung mit Arbeiten von Judd zeigte. Gefragt, warum er seine Ausstellung Josef Albers widme, antwortete der Künstler: »Erstens, weil er aus Bottrop stammt, zweitens, weil er vor kurzem starb und drittens, was wohl am wichtigsten ist, weil er ein guter Maler war«.

Nach oben