19. April
– 07. Juni 2026,
Dortmund
Museum Ostwall im Dortmunder U
- Vernissage
- 27. März 2026 19:00 Uhr
Die weltweiten Wege des Mülls und die Folgen für Menschen und Umwelt sind Thema einer Sonderausstellung, die ab 27. März 2026 im Museum Ostwall im Dortmunder U zu sehen ist. „Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls“ zeigt rund 50 internationale Kunstwerke des 20. und 21. Jahrhunderts, darunter zwei neu geschaffene Auftragsarbeiten.
Kunst und Müll seit den 1960er-Jahren
Ausgehend von der Sammlung des Museum Ostwall, die früh künstlerische Auseinandersetzungen mit Müll und Konsum in globalen wie regionalen Kontexten aufgriff, bringt die Ausstellung historische Positionen seit den 1960er-Jahren in einen Dialog mit zeitgenössischer Kunst. Künstler*innen untersuchen Müll als materielles Überbleibsel von Wohlstand, als verdrängtes Nebenprodukt moderner Lebensweisen und als Ausdruck globaler Ungleichheiten.
Zu den frühen Beispielen zählt HA Schults Aktion Situation Schackstraße (1969), bei der mehrere Tonnen Abfall auf eine Münchner Straße gekippt wurden, um das vermeintlich „saubere“ Stadtbild radikal zu stören. Nancy Holts Zeichnungen zu Sky Mound (1985) zeigen einen visionären Entwurf zur Umwandlung einer Mülldeponie in New Jersey in eine parkartige Land-Art-Skulptur. Anna Zetts Videoarbeit Freiheit 3 (2019) thematisiert die toxische Geschichte der Bitterfelder Deponie und die ambivalenten Versprechen von Freiheit nach 1989.
Globale Abfallrouten und koloniale Kontinuitäten
Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf kolonialen Kontinuitäten in den globalen Abfallströmen. Künstlerische Arbeiten machen sichtbar, wie Müll aus dem globalen Norden häufig in Länder des globalen Südens exportiert wird und dort ökologische Schäden sowie neue Abhängigkeiten erzeugt. Karimah Ashadus Videoarbeit Brown Goods (2020) folgt einem informellen Kreislauf gebrauchter Elektrogeräte zwischen Europa und Afrika. Die aktuelle Auftragsarbeit Obsolete Swing von Ana Alenso beleuchtet die toxischen Prozesse der Rohstoffgewinnung aus Elektroschrott. Mit TC-2000 entwirft Akwasi Bediako Afrane eine aus Elektroschrott gebaute, afrofuturistische Science-Fiction-Stadt.
Machtverhältnisse, Körper und Räume
Eine zentrale Installation der Ausstellung ist Los de arriba y los de abajo (2015) von Kader Attia. Ein schmaler Gittergang mit Müll und Schrott über den Köpfen der Besucher*innen erzeugt körperliches Unbehagen; nur Drahtgeflechte schützen vor herabfallendem Abfall. Die Arbeit bezieht sich konkret auf die Situation in Hebron, wo sich die palästinensische Bevölkerung mit Netzen gegen den Müll aus den höher gelegenen israelischen Siedlungen schützt, und verweist zugleich allgemein auf die Trennung von „oben“ und „unten“ in hierarchischen Gesellschaften. Der Abfall wird dabei nicht nur zum Symbol, sondern zum realen, permanent präsenten Bestandteil eines von Macht und Ungleichheit geprägten Alltags.
Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus Installation, Skulptur, Fotografie, Video, Grafik und Medienkunst von u. a. Akwasi Bediako Afrane, Ana Alenso, Arman, César Baldaccini, Karimah Ashadu, Nancy Holt, Allan Kaprow, Krištof Kintera, HA Schult, Tejal Shah und Klaus Staeck.
Ein umfangreiches Vermittlungsprogramm mit Führungen, Workshops, Vorträgen und Arbeitsstationen lädt zur vertiefenden Auseinandersetzung ein. Für Kinder und Jugendliche begleiten die Olchis von Erhard Dietl durch die Ausstellung; ein eigens entwickeltes Mitmach-Heft ergänzt das Angebot.