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Norbert Kricke

Röhrendickicht

Gelsenkirchen

Ferdinand Ullrich, Recklinghausen

Vertikal auf einer grauen Wandfläche montiert, bilden unterschiedlich lange Metallröhren zwei Gruppen, die sich wiederum als graue Formen auf dem Untergrund erstrecken. Im Sonnenlicht ergeben sich als drittes Element der Komposition Schattenformen. Die Röhren sind dicht positioniert, doch haben sie aufgrund ihrer sehr unterschiedlichen Länge eine stark differenzierte Präsenz und verleihen dem Gesamtensemble durch den unregelmäßigen Wechsel der Endungen eine innere Bewegtheit.
Die sich vielfältig hin und her bewegenden Augen des Betrachters scheinen durch die Wahrnehmung eine Dynamik im starr befestigten Werk zu erzeugen und verweisen so auf eine der wichtigen Konstanten im Werk des Künstlers. Linien im Raum – so oder ähnlich wäre eine kurze Charakterisierung der zentralen und typischen Arbeitsphase des Bildhauers und Zeichners Norbert Kricke zu betiteln. Zu Beginn seines künstlerischen Schaffens entstanden figurative Werke. Seit den frühen 1950er-Jahren hat er die Linie mit dem Grafitstift auf dem Papier und vor allem mithilfe von Drähten und Metallrohren im Raum entwickelt und in das Zentrum seines Interesses gestellt. Sie wirken wie eine Zeichnung imaginärer und vom Betrachter durch seine Wahrnehmung oftmals zur schlüssigen Form vervollständigter Figuren im Raum – wie das Fragment eines größeren Ganzen. Oft scheinen sie eine gemeinte Dimension oder Richtung nur anzudeuten – und immer sind sie nicht »Etwas«, sondern stets »abstrakt«. Das Röhrendickicht am Kleinen Haus des Musiktheaters in Gelsenkirchen besteht aus mehreren solcher Linien, sowohl im Raum als auch vor der Fläche. Auch sie verweisen auf nichts anderes als auf sich und die Verdichtung ihrer selbst. So gelangen sie in Wirkung und Wahrnehmung zu einem neuen Ganzen. Das Grau-in-Grau von Stein, Metall und Schatten ist vom Künstler intendiert und kalkuliert. Er hat das Röhrendickicht nicht separat ohne Kenntnis des Ortes entworfen, sondern als Auftrag für eine Arbeit im Rahmen von »Kunst am Bau«. Alles fügt sich überaus harmonisch zu einem Ganzen zusammen und ist sowohl ein Werk an sich (des Künstlers Norbert Kricke, der die architektonische Vorgabe nutzte) als auch Teil einer übergeordneten Idee des Musiktheater-Baukörpers. Das Theatergebäude ist mit weiteren Werken bedeutender Künstler (Robert Adams, Jean Tinguely, Yves Klein) ausgestattet, die im Zusammenspiel eine außerordentliche »Kompagnie« abgeben. Die bildende Kunst ist hier ein Pendant zu den darstellenden Künsten im Kleinen und Großen Haus des Theaters und somit auch Teil eines Gesamtkunstwerks der ausgehenden 1950er-Jahre. Zugleich setzten sie ein zur Zeit ihrer Entstehung wichtiges Symbol für den Wiederaufbau der Region.

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