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Emil Schumacher

Scherbenmosaik

Hagen

Andreas Ren, Bochum © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Emil Schumacher zählte zu den führenden europäischen Künstlern des 20. Jahrhunderts – regelmäßig zeigte er seine Arbeiten auf den internationalen Biennalen in São Paulo, Venedig und Tokio und war mehrmals Teilnehmer der documenta in Kassel. Seine Werke sind heute weltweit in den wichtigsten Kunstsammlungen vertreten.
Seit 2009 gibt es in Hagen, seiner Heimatstadt, ein dem Künstler gewidmetes Museum. Schumacher studierte von 1933 bis 1936 an der Kunstgewerbeschule in Dortmund Grafik, bis er das Studium aufgrund seiner Ablehnung der nationalsozialistischen Gleichschaltung abbrach. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte er eine eigenständige Position unter den abstrakt-expressiven Malern. 1947 als Gründungsmitglied der Gruppe junger westen im Umfeld der Ruhrfestspiele in Recklinghausen, fand er bereits gegen Ende der 1950er-Jahre als einer der ersten deutschen Maler Anschluss an das internationale Kunstgeschehen.
Das Scherbenmosaik entstand 1957 am neu errichteten kleinen Saal- und Restaurantbau-Parkhaus oberhalb des Hagener Stadtgartens. Der repräsentative frühmoderne Vorgängerbau aus dem Jahr 1907 war im Krieg stark zerstört worden. Das Wiederaufbauprogramm nach dem Zweiten Weltkrieg folgte auch in Hagen der Vorschrift, im Rahmen öffentlicher Bauprojekte einen Teil der Bausumme für künstlerische Arbeiten einzusetzen. So wurde Emil Schumacher zwischen 1952 und 1957 mit acht Wandgestaltungen größeren Formates in Sgraffito- und Mosaiktechniken wie auch mit Wandmalereien an öffentlichen Gebäuden im Hagener Stadtgebiet beauftragt. Diese architekturgebundenen Arbeiten zählen zum Frühwerk und sind auftragsbedingt größtenteils stärker figürlich als seine freien Arbeiten jener Zeit.
Dennoch lassen sich deutlich Tendenzen des späteren Hauptwerks ausmachen. Die Hagener Gestaltungen fallen in eine wichtige Phase für die Entwicklung Schumachers: seine Hinwendung zur Abstraktion. Besonders nachvollziehbar ist dies im abstrakten Scherbenmosaik des Parkhauses. Schumacher folgte dessen heiter-festlicher Bestimmung: Er verlieh der Komposition eine rhythmische Bewegtheit als Kontrast zur Flächigkeit der fensterlosen Zugangsseite. 1957, im Jahr der Entstehung des Scherbenmosaiks, befreite der Maler sich von der zweidimensionalen Oberfläche und schuf mit den sogenannten Tastobjekten aus Weichfaserplatten, Maschendraht oder Pappmaschee erste reliefartige Objekte.
Deren Materialhaftigkeit lässt sich in der folgenden Entwicklung durch das gesamte Werk verfolgen. Die frühen Arbeiten im öffentlichen Raum gaben dem Künstler die Möglichkeit, sich mit dem Format großer Wände zu beschäftigen. Diese Erfahrungen konnte er wohl auch in seiner Malerei einsetzen, als er sich gegen Ende der 1950er-Jahre dem Großformat zuwandte. Erst 1988 gestaltete Schumacher für den Neubau des Landtages von Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf wieder eine Wand – in riesigem Format von über 20 Metern Breite – aus keramischen Platten, die er bemalte, bevor sie gebrannt wurden. 1996 entstand auf Initiative des Malers Piero Dorazio eine keramische Wand Schumachers in der Metrostation Colosseo in Rom
, und 1999 wurde die letzte Wandmalerei des Künstlers im Reichstag in Berlin ausgeführt.

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