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Bogomir Ecker

Reemrenreh

Herne

Andreas Ren, Bochum © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Die Skulptur
(kaum Gesang) ist eines von zwei Teilen einer Gemeinschaftsarbeit des Bildhauers Bogomir Ecker und des Komponisten Bülent Kullukcu, die für die Großausstellung EMSCHERKUNST.2010 entstand.
Die Skulptur von Ecker bleibt über die dreimonatige Laufzeit der Ausstellung hinaus in Herne installiert, das Klangkunstwerk
von Kullukcu hingegen nicht. Reemrenreh (kaum Gesang) besteht aus drei Teilen: einer Straßenlaterne und zwei turmartigen Skulpturen. Die 16 Meter hohe Straßenlaterne beleuchtet nachts die beiden anderen Skulpturteile und ist wie selbstverständlich mitten im Wasser – im Herner Meer – platziert. Die so entstehende entrückte, surreale Wirkung wird dadurch unterstrichen, dass die überdimensionale Laterne nicht als Maßstab dienen, nicht helfen kann, die Größenverhältnisse zu klären. Sie wird von dem größten, gelben Teil des Ensembles spielend um sieben Meter überragt; der dritte, kleinste Part wirkt mit seinen knapp acht Metern Höhe dagegen winzig. Die beiden »Türme« neben der Laterne erinnern an Bauklötze, die von Kinderhand so lange waghalsig aufeinandergestapelt werden, bis sie umkippen, um dann in neuer Formation wieder aufgebaut zu werden. Dieser Eindruck der Instabilität wird durch den speziellen Aufstellungsort verstärkt: Hier am Wasser, nah an einer Mole zwischen Schleuse und Yachthafen, kann es windig werden – die Skulptur scheint dann umso gefährdeter. Die fragil wirkende Konstruktion muss den Naturkräften trotzen, denn wenn die hoch aufgetürmten »Bauklötze« fallen, würden sie ins Wasser stürzen – das Kunstwerk wäre verloren. Man fragt sich unweigerlich: Was wird freigelegt, wenn der Wasserspiegel, der an eine Überschwemmung denken lässt, sinkt? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und sie wird durch eine weitere Besonderheit beflügelt: Der Wind entlockt den hohlen, durchlöcherten Skulpturteilen verschiedenste Töne, sie scheinen zu singen und lassen so an die mythischen, ägyptischen Memnon-Kolosse denken, die aufgrund der klimatischen Bedingungen im Niltal eigene Melodien anstimmen. Die Art der Aufstellung spricht ein uraltes Bildhauer-Thema an: die Frage nach dem Sockel. Das Wasser verbirgt den Sockel von Eckers Skulptur. Lässt sich die Wasseroberfläche also als Sockel interpretieren? Ein Sockel von undefinierbarer Größe, einer, der sich ständig verändert, mal mehr, mal weniger von der Skulptur freigibt, je nach Jahres und Tageszeit oder Wetter verschiedene Strukturen und Farben annehmen kann. Ein Sockel, der niemals statisch ist und reemrenreh (kaum Gesang) keinen festen Grund, keine Stabilität keine Verankerung verleihen kann, sondern im Gegenteil den Eindruck von Fragilität, Gefährdung und Unbeständigkeit weiter auf die Spitze treibt. Bis heute trotzt Bogomir Eckers monumentale Arbeit erfolgreich den Kräften der Natur und den besonderen Bedingungen des Ortes.

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