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Heinz-Günter Prager

Herner Ronden

Herne

Ferdinand Ullrich © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Alle Kunstwerke von Heinz-Günter Prager sind Skulpturen, mit denen der Künstler grundsätzlich über den Raum nachdenkt: Die Linien, der Körper, die Gewichte, die Verortung sind das Thema seiner Arbeiten. Alle seine Werke sind von theoretischen Überlegungen begleitet. Prager überlässt nichts dem Zufall, was das Konzeptionelle betrifft, wohl aber die letzten Formen, die der Schmiedehammer aus dem Eisen herausschlägt. Im Zentrum steht der Körper.
In Pragers »Überlegungen zu meiner Skulptur« heißt es 1978: »Die eigentliche Bedeutung des Körpers liegt im Vollund Hohlvolumen, die der Fläche im Abdecken und Abtrennen und die der Linie im Raumschaffen und Raumgliedern.«
Ronden, ein Begriff aus der Geometrie, sind Zylinder von meist sehr geringer Höhe im Verhältnis zum Durchmesser. Damit sind die wichtigsten Aspekte seiner Skulptur Herner Ronden in seiner Heimatstadt benannt. Unterschiedlich große Scheibenskulpturen stehen und liegen so auf der Fußgängerfläche verteilt, dass sie einen länglichen Raum besetzen, ihn definieren, aber nicht vollständig abdecken. Zudem haben die sechs Partner durch ihre Kreisform etwas von einem Rad und könnten sich womöglich rollend erneut fortbewegen. Der Künstler aber denkt in plastischen Kategorien. Diese müssen, auf sich selbst bezogen, stimmen. Prager setzt also Ruhe und Stillstand gegen Lärm und Bewegung. Gleichzeitig sind die Formen so aufgestellt, dass sie mit der Reihung der älteren Bäume korrespondieren. Die einzelnen Formen werden erdacht, gezeichnet und nach abschließender Konzeption in einer Metallschmiede unter Aufsicht des Künstlers mit Maschinen gefertigt. Der Cortenstahl wird so lange verdichtet, bis die gewünschte Ausformung erreicht ist. Die Oberflächen sind deshalb nicht von eleganter Glätte, sondern leicht uneben und dadurch widerständig. Der Cortenstahl hat die Eigenschaft, nicht durchzurosten. Erste Verbindungen mit dem Sauerstoff bewirken eine Versiegelung der Oberfläche, die ein Weiterrosten unmöglich macht. Dieser Vorgang ereignet sich vor Ort, sodass sich die Spuren von Wind und Wetter auf den Skulpturen ablesen lassen. An einem anderen Ort würden die einzelnen Formen mit ihren Oberflächen jeweils etwas anders aussehen, sie hätten eine andere Patina. Die Skulptur besetzt nicht nur die Örtlichkeit, sie integriert sich auch. Eine praktische Nutzung wie zum Beipiel als Sitzmöglichkeit ist nicht vorgesehen. Im Bonner Katalog von Prager schreibt der Verfasser dieser Zeilen 2001: »Das OEuvre von Heinz-Günter Prager ist widerspenstig, schwer im Wortsinn, es erschließt sich nicht über die Theorie und über die Mathematik, sehr wohl aber über die Poesie der Geometrie. Dinge werden aufeinander bezogen, werden in ein Ungleichgewicht gebracht, um in der neuen dreidimensionalen Formulierung dennoch eine neue Stimmigkeit zu erfahren«.
Begleitet werden diese Vorgänge zwar von einem gedanklichen Durchdringen, das aber nicht zu einengenden strengen Regeln führt, die zeitlebens beachtet werden müssen, sondern in ihrer Offenheit immer wieder neue, mehr oder weniger organische, mehr oder weniger kunsttheoretische Formulierungen freisetzen und zulassen.

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