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Herman Prigann

Himmelstreppe

Gelsenkirchen

Ferdinand Ullrich © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Längst hat sich die Halde Rheinelbe im Zentrum Gelsenkirchens in einen spannenden Wald verwandelt. Motor für diese Entwicklung waren die Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park und die Zusammenarbeit mit dem Künstler Herman Prigann, der sich in seinem Werk dem Zusammenspiel von Natur, Geschichte und sozialem Raum widmete. Das Zechengelände war ursprünglich hermetisch abgeschlossen.
Heute ist es ein für alle zugänglicher Skulpturenpark. Das weitflächige Gelände mit künstlichen Bergen ist von der Natur zurückerobert worden. Ein Wald ist entstanden, und viele Tiere und Pflanzenarten sind zurückgekehrt. Die Halde Rheinelbe ist heute nicht nur eine der Landmarken des Ruhrgebiets, sondern ein intensiv genutztes Naherholungsgebiet. Prigann hat sie zu einem schwarzen Kegel aufgeschüttet, eine Wegeführung so angelegt, dass man aus dem Wald kommend den Haldenkegel erreicht, um auf einer Himmelstreppe hinaufzusteigen. Oben auf der Plattform steht die riesige Skulptur, die Prigann aus Teilen der zerstörten Zechenbauten errichtet hat. Die Geschichte der Zeche steigt hier hinauf in die Weiten des Himmels. Zugleich hat der Betrachter eine der schönsten Aussichten auf das Ruhrgebiet. Begleitet wird der Spiralberg mit der Himmelstreppe durch weitere skulpturale Elemente, die auf die industrielle Geschichte des Areals Bezug nehmen: ein Nord-Ost-Tor, die Blaue Grotte, ein Steinkreis, eine große Treppe, der Baumplatz, ein archäologisches Feld, Eckpfeiler, eine Pappelholzsetzung, ein Pfeiler mit Bombe, der Schieber, das Süd-West-Tor, ein Turmhügelpaar, die Waldpforte, eine Windwaage, die Bergmannssäulen, das Erdwerk In der Mitte ist Ruh und anderes. Prigann hat sich ein variantenreiches Skulpturenprogramm ausgedacht, das zugleich verschiedene Nutzungen des Areals zulässt wie Gehen, Laufen, Radfahren, Liegen, Sitzen, Dösen, Sport, Aufsteigen, Schauen, Erkennen, Studieren der Natur und der vielen Tiere (einschließlich der Bienen einer Zechenimkerei), Zu-sich-selbst-Finden, Sich-mit- Freunden-Treffen. Diese neuen Nutzungen lagen dem Künstler besonders am Herzen. Er wollte keine Kunst für die Kunst, sondern eine für die Menschen brauchbare Kunst. Prigann gehörte zur Künstlergruppe Art in-Nature, die nicht mehr nach der Natur arbeiten wollte, sondern mit der Natur. Die Halde Rheinelbe ist einer der wichtigsten Beiträge zu diesem Kunstwollen. Die Kunstwerke verändern sich permanent, das gilt auch für Rheinelbe, da die Natur weiter arbeitet, zum Teil auch Kunstwerke vernichtet. Der Skulpturenwald auf der Haldenbrache ist jenseits aller ökonomischen Zwänge des Kunstmarktes entstanden. Kurz vor seinem Tod hat Prigann am 25. Oktober 2008 ein Vermächtnis für Rheinelbe verfasst. Darin heißt es: »Rheinelbe als Ensemble verschiedener atmosphärischer Räume und Orte der Erinnerung ist in keiner Weise zu ergänzen – zu verfremden oder sonst wie zu verändern. Rheinelbe ist ein Unikat und das erste Beispiel, wie eine Industrie-Wald-Wildnis zu einer neuen Parkform gestaltet wurde […] Von Beginn an war abgesprochen, dass das Gelände eine Rhythmik von dichten, unwegsamen Refugien entwickeln soll, dazu offene Wiesen, Magerrasen, und Sichtschneisen, sowie kleinere Lichtungen […] Dieses Areal Rheinelbe ist in einem Prozess gedacht und entfaltet mehr und mehr seine von mir gewollte und inszenierte Poesie.« Der Höhepunkt ist die Skulptur auf dem Spiralberg. In der Forststation, dem früheren Umspannwerk, ist eine kleine Ausstellung mit Arbeiten des Künstlers zu sehen.

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