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Ilya und Emilia Kabakov

Denkmal für einen Gefangenen

Marl

Carsten Gliese, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Der Alte Friedhof Brassert in Marl ist zu einem Skulpturenpark geworden: Zwischen alten Grabsteinen und Denkmälern, die an Kriegsopfer erinnern, finden wir Werke zeitgenössischer Kunst, etwa das Denkmal für einen Gefangenen. Ein quadratischer Hof, eingefasst von einer niedrigen Betonmauer mit zwei Zugängen, lädt zum Verweilen auf den Bänken ein.
Im Zentrum befindet sich eine quadratische Vertiefung. Durch ein rostiges Stahlgitter ist ein einzelner Baum zu sehen. Die Schutzfunktion des Stahlgitters verändert sich schlagartig, wenn der Titel – Denkmal für einen Gefangenen – mit in die Betrachtung einbezogen wird. Nicht der Schutz der Pflanze, sondern die Situation einer Gefangenschaft ist Thema des Ortes. Das Künstlerpaar Ilya und Emilia Kabakov schuf diese Gedenkstätte im Jahr 2010 und widmet sie allen Opfern von Verfolgung und Unrecht. Individuelle Natur und anonyme Architektur sind Pole dieses universellen Konflikts. Formal erinnert die Anlage durch die Wahl des Materials und ihre rechtwinklige Form an ein Gefängnis. Zugleich stehen die zwischen den Stäben emporwachsenden Zweige für den Akt der Befreiung. Der aus der ehemaligen Sowjetunion stammende Ilya Kabakov, der in seiner Heimat als wichtiger Vertreter des Moskauer Konzeptualismus bekannt wurde, bezieht den Betrachter stets in seine Werke ein. Auch in Marl gingen Ilya und Emilia Kabakov diesen Weg, indem sie kein traditionelles Denkmal, sondern einen gemeinsamen Raum für Kunst und Rezipienten an einem Ort errichten, der sowohl zu einer Auseinandersetzung mit dem Werk, als auch zum allgemeinen Reflektieren einlädt.

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