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Günter Dohr

Consol Gelb

Gelsenkirchen

Andreas Ren, Bochum / © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Die im Jahr 2000 entstandene Lichtinstallation Consol Gelb von Günter Dohr lässt sich nachts bereits aus großer Entfernung wahrnehmen. Am oberen Ende des etwa 53 Meter hohen, im Zentrum des heutigen Consolparks stehenden Fördergerüsts, das über dem ehemaligen Schacht 9 der stillgelegten Zeche Consolidation aufragt, scheinen mehrere waagerechte gelbe Linien den nächtlichen Himmel zu erhellen. Tatsächlich handelt es sich dabei um 32 Natriumdampflampen, die horizontal nebeneinander über den Streben des Gerüsts installiert wurden und orange-gelb leuchten. Zusätzlich hat Dohr unterhalb dieser Beleuchtungsmittel eine weitere waagerechte Reihe roter Leuchtstoffröhren platzieren lassen, zur Verstärkung des gelben Farbtons und zur Abgrenzung nach unten. Die Arbeit nutzt das tagsüber weithin sichtbare Fördergerüst von 1922 als Träger. Nachts lenkt sie mit ihrer gelben Illumination wie ein Leuchtturm die Aufmerksamkeit auf sich.
Die Wahl der Farbe Gelb ist in vielerlei Hinsicht symbolhaft: Sie hat in unserem Alltag gerade bei der Verkehrsführung die Funktion, Aufmerksamkeit zu erregen. Die Installation zieht somit unseren solchermaßen konditionierten Blick auf sich. Neben der Signalwirkung kommen weitere Konnotationen hinzu wie die Helligkeit und Wärme des Sonnenlichts, außerdem das nächtliche Leuchten der Industrieanlagen des Ruhrgebiets – und somit der Geschichte dieser Region: So wurde der Nachthimmel beim Abstich des Roheisens auf den Hochöfen und durch den glühenden Koks der Kokereien minutenlang gelborange erhellt. Die Lichtwirkung steht somit sowohl für die Geschichte des Ruhrgebiets als auch in untrennbarem Zusammenhang mit der Förderung der Steinkohle auf der Zeche Consolidation. Das senkrecht in die Tiefe weisende rostrot gestrichene Fördergerüst, das Günter Dohr für seine Arbeit nutzt, ist ein weithin sichtbares Symbol für die Geschichte des Bergbaus. Seine benachbarten, denkmalgeschützten Zechengebäude wurden heute einer neuen Nutzung zugeführt. Mit seiner Lichtarbeit Consol Gelb interpretiert er das Gerüst in der Waagerechten neu und verweist durch die künstlerische Nutzung auf die Neudefinition des gesamten Areals als Park. Die Lichtinstallation unterstreicht in ihrer horizontalen Ausrichtung die heutige Bespielung in Form einer Parkanlage am Ort einer ehemaligen Industrieanlage, die sich mit dem vertikalen Vordringen in die Tiefe beschäftigte. Der 1936 in Münster geborene Günter Dohr war in den 1960er-Jahren Mitbegründer der Künstlergruppe B1 und hat im Ruhrgebiet zahlreiche seiner Werke umgesetzt. Mit Consol Gelb zeigt er neben seiner Verbundenheit zur Region auch sein künstlerisches Interesse an Licht und Farbe sowie dem besonderen Wechselspiel mit dem Ort und seiner Geschichte.

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