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Stefan Sous

Chip

Dortmund

Michael Godehardt, Bochum © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

In der Dortmunder Innenstadt begegnet man auf dem Platz von Amiens, in fußläufiger Entfernung vom Dortmunder Hauptbahnhof, einem merkwürdigen, dunklen Gebilde. Die Passanten begegnen ihm mit Verwunderung und Irritation. Übersehen kann man es aufgrund seiner Maße nicht. Zwischen Museum für Kunst und Kulturgeschichte, RWE Tower und dem Gebäude der Sparda-Bank beansprucht dieses durchaus monumentale Objekt eine sehr eigene Existenz jenseits aller gewohnten Zusammenhänge, jenseits aller Zweckrationalität.
Weder Architektur noch Fahrzeug besetzt dieses Objekt den Platz unübersehbar, es steht im Weg. Obwohl der Künstler die Erwartungen an eine wie auch immer geartete Funktion durchaus weckt, bleibt das Werk ein Fremdkörper, der sich auch konsequent einer formalen Beziehung zum Stadtraum und seiner Architektur verweigert. Der Formbestand dieses Werks ist nur als Gegensatz zu seiner Umgebung zu beschreiben. Es kann nicht vereinnahmt werden. Es wechseln sich konvexe mit konkaven Flächen ab, es spielen gezackte Linien in runde hinein und es changieren glänzende und matte Flächen. Senkrechte und waagerechte Linien werden konsequent vermieden. Die Auflagepunkte verschwinden im Schatten. Das Objekt scheint über dem Platz zu schweben. So massiv das Gebilde auch erscheint, so prekär ist seine sinnfällige Existenz. Gerade hier an diesem Ort gelandet scheint es im nächsten Augenblick auch schon wieder zu entschwinden – eine vorübergehende, kaum wirkliche Erscheinung. Zugleich urzeitlicher Feuerstein als auch futuristisches UFO oder Tarnkappenbomber, vom Menschen geschaffenes Artefakt und von fremden Welten auf die Erde geworfen, ist Chip, eine bewußte Verniedlichung, falsch und richtig zugleich an diesem Ort, weil dieses Werk das allzu Selbstverständliche unseres Stadtraums und unseres Alltags radikal in Frage stellt.

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