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Sebastian Freytag

Change

Herne

Andreas Ren, Bochum

Im Foyer des Finanzamtes in Herne hat der Düsseldorfer Künstler Sebastian Freytag 2011 die umfassende Wandarbeit Change realisiert. Die Wandfläche des Foyers wurde von Freytag mit einer ornamentalen Struktur gestaltet. Diese besteht aus senkrechten Ornamentbändern, deren Grundfigur der Buchstabe H ist. Er steht für den Städtenamen Herne, ist aber gleichzeitig als formales Gestaltungselement eingesetzt. Das sich seriell wiederholende H ist versetzt übereinander angeordnet: Jeweils in Zweierschritten erfolgt eine Verschiebung nach rechts, gefolgt von einer Verschiebung nach links. Wechselweise sind die vertikalen Buchstabenreihen in metallischen Acrylfarben gemalt: Kupfer, Silber und Messing – die Materialien des Münzgeldes.
Auch im Titel der Arbeit Change lässt sich ein Bezug auf die Tätigkeit des Finanzamtes ablesen. Change bedeutet Veränderung, Wechsel oder auch Wechselgeld. Dabei beziehen sich die Anspielungen auf reales, tatsächlich greifbares Geld. Die Arbeit des Finanzamtes spielt sich aber hauptsächlich in der Welt des immateriellen Geldes ab – Geld, in Form von elektronisch erfassten Daten auf Bankkonten oder als Ziffern auf Papier. Somit kann die Wandarbeit von Sebastian Freytag auch als subtiler Kommentar zum heutigen Umgang mit Geld und der Arbeit im Finanzamt gesehen werden. In seinen künstlerischen Arbeiten spielt Freytag immer wieder mit geometrischen Formen, die er aus Werken bekannter Künstler entlehnt, mit Typografie, Sprache und einfachen Symbolen, die er nach dem Prinzip der Serialität ordnet. Zeichen, Formen und Wörter werden vervielfacht und als Plakate in einfachem Offsetdruck auf Ausstellungswände, Hausmauern und sonstige Plakatträger geklebt. Die Symbole, Strukturen und Wörter, die er dabei benutzt, haben immer einen Bezug zum Ort ihrer Anbringung. Durch ihre serielle Verwendung könnten die Zeichen auch als abstrakte Muster wahrgenommen werden. In der Wandarbeit Change spielt Serialität ebenfalls eine große Rolle. Der Buchstabe H wird wie in einem Tapetenmuster in endlosem Rapport wiederholt und vervielfacht. Dadurch wird ihm eine explizite Bedeutung entzogen, er wird zu einem formalen, ornamentalen Muster, das den Raum dynamisiert. Die Wandgestaltung im Foyer des Herner Finanzamtes wird gleichsam zur Raumgestaltung, zum Spiel mit den Dimensionen: Die vertikale Ausrichtung der Wandmalerei zeigt die zweigeschossige Höhe auf und bildet einen Kontrast zur horizontalen Gliederung des Foyers durch die Theke und den Innenbalkon im ersten Obergeschoss. Die Arbeit ist nicht nur integraler Bestandteil der Innenarchitektur, sondern wirkt durch die Glasfront des Foyers auch nach außen und trägt somit zur äußeren Erscheinung des Gebäudes und dessen Erweiterung in den Außenraum bei.

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