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Per Kirkeby

Backsteinskulptur für Recklinghausen

Recklinghausen

Ferdinand Ullrich, Recklinghausen

In Recklinghausen befindet sich eine 26 Meter lange und 6 Meter hohe Skulptur des dänischen Künstlers Per Kirkeby. Sie hat zugleich den Charakter eines Monuments und erinnert mit ihrem Standort am Herzogswall an das historische Lohtor und die einstige Stadtmauer. Wie ein Wandelgang überspannt die Skulptur mit sechs großen und sieben kleinen Toren aus Ziegelstein eine Straßenseite am Rande der Innenstadt. Die lang gestreckte Schauseite erinnert an eine Gloriette, wie man sie als Gebäude klassischer Gartenanlagen kennt.
Durch ihre weiten Bögen ermöglicht sie den Durchblick auf das dahinter liegende Denkmal der Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Betritt man die Kolonnaden, so bietet sich dem Auge ein dynamischer Wechsel zwischen geschlossenen und transparenten Situationen. Dabei springen die Ziegelwände wie eine gefaltete Mauer vor und zurück und bilden auf der Basis eines Mäanders das Muster für Unendlichkeit ab. Architektur oder Bildhauerei? Die Arbeit sprengt den traditionellen Skulpturenbegriff, denn sie ist beides: begehbare Skulptur und skulpturale Architektur, die zum Sehen und Denken von Raum anregt.
Per Kirkeby ist Maler, Bildhauer, Architekt, Schriftsteller und Filmemacher. Als promovierter Geologe aber steht für ihn das Studium der Natur am Anfang aller Kunst. Tatsächlich fühle er sich beim Malen eines Bildes an Prozesse erinnert, die über einen sehr langen Zeitraum die Erde oder die Landschaften geschaffen haben. Insofern kann man Kirkebys Malerei als ein Malen analog zur Natur beschreiben, was bedeutet, Farbschichten als Sedimente zu betrachten und im Farbauftrag unterschiedliche Aggregatzustände zwischen flüssig und transparent, kompakt und opak abzubilden. Neben Bronzeplastiken entstehen seit Mitte der 1970er-Jahre auch große Skulpturen im öffentlichen Raum, die Kirkeby in Backstein ausführt. Türme, Bögen, Pfeiler – viele dieser Arbeiten zitieren Architektur und zeigen doch ein zur Skulptur verdichtetes Formenspiel. Auch die Skulptur in Recklinghausen offenbart sich als eine geometrisch reduzierte Raumplastik mit offener Struktur, die im Zusammenhang mit ihrer Umgebung zu sehen ist. Für das Prinzip seiner Skulpturen hat Per Kirkeby mit dem Wort »Architektonik« einen eigenen Begriff gefunden, um den Zusammenhang zwischen einer bildhauerischen Tätigkeit und den Formkräften der Natur zu erklären. Inspiration fand er nach eigenen Worten sowohl in der »Bauweise der Natur« als auch in der Backsteinkultur seiner nordischen Heimat. Große Kunst besitze immer eine »anonyme« Qualität, sagt Kirkeby.
Insbesondere bei seinen Backsteinskulpturen hat er sich für eine gewissermaßenobjektive Qualität anstelle einer emotionalen persönlichen Handschrift entschieden, um den Blick auf das Wesentliche nicht zu verstellen. Das Wesen der Natur lautet Metamorphose und ist von einem beständigen Zusammenwirken energetischer Kräfte geprägt. Das universelle Prinzip von Skulptur besteht aus dem Zusammenspiel von Material, Volumen und Raum, das in dem Recklinghäuser Werk beispielhaft zu erfahren ist.

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