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Günther Zins

Auftauchen oder Versinken

Herne

erdinand Ullrich, Recklinghausen

Günther Zins ist der Zeichner unter den Bildhauern. Seine plastischen Arbeiten erscheinen wie mit zarten Strichen skizziert zu sein. Seit den 1960er-Jahren setzt er sich künstlerisch konsequent mit den beiden Themen Linie und Raum auseinander. Dabei bildet die Linie, übersetzt in schlanke Edelstahlstäbe, das künstlerische Ausgangsmaterial. Zu geometrischen Körpern wie Kuben, Kreisen oder Quadern verschweißt, stehen sie auf dem Boden oder sind zwischen Wänden eingeklemmt, hängen an der Wand oder frei schwebend im Raum. Ganz gleich wie die Objekte im Raum definiert sind, immer signalisieren sie eine Form von Stabilität und Ruhe, aber auch eine spielerische Leichtigkeit und Schwerelosigkeit. Mal scheinen Körper aus den Wänden zu wachsen und wieder zu verschwinden, ein anderes Mal wirken die Arbeiten schemenhaft, wie vor der Wand schwebende Zeichnungen. Allein auf ihre Außenlinien reduziert, treten diese zarten Gebilde in den Dialog mit dem umgebenden Raum, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich, wobei die Auseinandersetzung mit dem
jeweiligen Ort oder der Architektur von besonderer Bedeutung ist.
Bezugspunkt seiner Installation Auftauchen oder Versinken von 2012 ist die ehemalige Zeche Unser Fritz in Herne, die heute als Atelier- und Ausstellungsraum genutzt wird. Auf der Rückseite der früheren Maschinenhalle befinden sich vier der Stabobjekte untereinander aufgereiht, vom Giebel an abwärts. Dabei handelt es sich um Würfelformen gleicher Größe, die in voranschreitenden Stadien immer mehr in die Außenfassade einzudringen scheinen. Ist der obere Würfel noch vor der Fassade platziert und in seinen Umrissen deutlich wahrzunehmen, so erkennt man vom letzten Element in Bodennähe nur noch eine Ecke. Mit seinem kühlen, wohlkalkulierten Skulpturenensemble erzeugt Günther Zins Irritation beim Betrachter, werden doch die Gesetze der Schwerkraft und der Masse mehrfach in Frage gestellt. Die Arbeit inszeniert durch die formale Anordnung der Stäbe als auch der Ebene des Materials ein kontrastreiches Spiel. Aus der Ferne betrachtet heben sich die zarten Edelstahlkörper kaum von der Fassade ab, zu dominant ist das alte Ziegelmauerwerk. Erst im direkten Gegenüber entfalten die zeichenhaften Elemente ihre Dreidimensionalität, umschreiben Volumen ohne Masse und Gewicht. Auf minimalistische Art demonstriert Günther Zins komplexe Phänomene, wechselt zwischen starrer Materialität und weicher Durchdringung, zwischen sichtbaren und unsichtbaren Ebenen, zwischen realen und imaginierten Prozessen.

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