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Alf Lechner

3/72 Rahmenkonstruktion

Marl

Carsten Gliese, Köln

Ebenso statisch wie bewegt erscheint das Arrangement, das Alf Lechner aus vier gleich großen Würfeln konstruiert hat. Jeder Würfel besteht aus massiven Eisenbalken als äußeren Kanten. Die so entstandenen großen Öffnungen der Seitenflächen lassen die Würfel leicht und transparent wirken. Zwei Würfel bilden nah beieinander stehend die Basis für einen passgenau darauf gesetzten dritten gleicher Dimension.
Ein vierter Kubus ist mit seiner Spitze in einen der unteren gesetzt und ragt durch die Verkantung auch mit einer Spitze in den Würfel neben ihm hinein – und entsprechend über die Begrenzung des unteren hinaus. Die denkbare Stapelung von je zwei unten positionierten und zwei daraufliegenden Würfeln ist so durch die Variation einer der oberen Formen aufgebrochen worden. Damit ist das Grundprinzip einer ganzen Serie von Plastiken des Bildhauers definiert, die er in sehr unterschiedlichem Aufbau von jeweils vier Kuben realisierte. Seit den frühen 1960er-Jahren schuf Alf Lechner abstrakte Skulpturen, die – aus geometrischen Grundformen (Quadrat, Rechteck, Kreis) zusammengesetzt – inhaltslos nur sich selbst repräsentieren. Ein Goliath scheint mit Bauklötzen gespielt zu haben, ebenso zweckfrei wie zugleich auf ein harmonisches Gesamtergebnis zielend. Mit seinen raumgreifenden Arbeiten schuf Alf Lechner die innere Harmonie einer skulpturalen Situation aus vorgefertigten gleichförmigen Teilen. Trotz ihres immensen Ausmaßes wirken sie fragil und beweglich, scheinen geradezu variabel zu sein, auch wenn jeder Versuch einer Veränderung notwendigerweise an Volumen und Gewicht scheitern wird. Da die meist im öffentlichen Raum aufgestellten Werke zugleich auch den freien Blick in die Umgebung erlauben, werden sie zu einem integrierten Element: »Ich will durch planmäßige Zerlegung, Verbiegung und Neuordnung der Teile einer einfachen Form systematisch geordnetes Denken […] sinnlich wahrnehmbar machen.« Lechners eigene Beschreibung seines künstlerischen Arbeitens wirkt auch in der realisierten Form überaus rational und gleichzeitig spielerisch – wie eine Einladung zu einem, wenn auch nur gedanklichen, variantenreichen Spiel im Rahmen der vom Künstler vorgegebenen Möglichkeiten.

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