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Bernar Venet

5 Arcs x 5

Duisburg

Ferdinand Ullrich © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

An prominenter Stelle – mitten in der Duisburger Innenstadt, auf dem neu gestalteten König- Heinrich-Platz – befindet sich die großformatige Stahlskulptur 5 Arcs x 5 des französischen Konzeptkünstlers Bernar Venet. Die Arbeit stammt aus der Werkgruppe Arcs (Bögen), die der documenta- und Biennale-Teilnehmer nach einer mehrjährigen Schaffenspause seit den späten 1970er-Jahren entwickelt und für die er weltweit bekannt ist.
Die Duisburger Skulptur, die der Kunstsammler Hans Grothe der Stadt 2007 als Dauerleihgabe überlassen hat, ergibt sich aus fünf gebogenen Elementen aus Cortenstahl, die wiederum aus fünf Cortenstahl-Bögen bestehen. Auffällig sind die Inschriften, die sich an den einzelnen Elementen befinden: Die Zahlen an den Bögen geben hier eindeutig deren Maße an. Es ist charakteristisch für Venet, dass er die geometrischen, formelhaften Daten, auf denen seine Formen beruhen, oft zugleich als Werktitel nutzt und in die Skulpturen integriert. Sie beschreiben diese präzise, ohne dem Betrachter einen großen Interpretationsspielraum zu lassen: Die Bögen der ersten Gruppe messen exakt 215,5 Grad, die der nächsten 216,5, die der dritten 217,5 und so weiter. Die reine geometrische Form – in diesem Fall der Bogen – und deren Anordnung fungiert in Bernar Venets Skulpturen als einziger Werkinhalt. Sie beruht auf einem mathematischen System und ist somit eindeutig, allgemeingültig, objektiv und rational. Der Künstler verzichtet auf emotionale, gestische, subjektive, narrative Elemente. Seine Skulpturen sollen – ganz im Sinne Frank Stellas berühmten Ausspruchs »What you see is what you see« (Was du siehst, ist was du siehst.) – nichts darstellen, außer sich selbst. Sie beziehen sich auf nichts, und sie erzählen keine Geschichten. Doch 5 Arcs x 5 kann sich – wie jedes Kunstwerk – einer Deutung durch den Betrachter kaum entziehen. Liegt es doch wie ein riesiges abgenagtes Skelettfragment aus Stahl – einem Relikt aus früheren, fetteren Zeiten gleichend – im Herzen einer Stadt, die wie kaum eine andere unter dem Sterben der Schwerindustrie im Ruhrgebiet gelitten hat. Somit weist Venets große Skulptur in die Vergangenheit einer Stadt, die auf einzigartige Weise von der Stahlproduktion geprägt wurde. Ihr Aufstellungsort in einer lebendigen Fußgängerzone zwischen Kultur, Gastronomie und Einzelhandel dagegen zeigt, dass neue Perspektiven für Duisburg gefunden werden – da können die Überreste des Riesen aus alten Zeiten ruhigen Gewissens an zentraler Stelle präsentiert werden.

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