MUSEUM DKM DUISBURG
WENN GEFÄßE IHRE STIMME FINDEN
Eine Reise durch 5.000 Jahre Geschichte
Was haben ein ägyptisches Keramikgefäß iranisches Tiergefäß aus Ton, neolithische Vasen und ein zeitgenössisches Metallobjekt gemeinsam? Und wie klingen sie eigentlich? Die vierten Klassen der Katholischen Grundschule an der Goldstraße in Duisburg machten sich acht Wochen lang im Museum DKM auf die Suche nach Antworten.

Sehen, fühlen, hören
Das Projekt „Gefäße in Klang und Form" verknüpfte Kunst und Musik miteinander, um verschiedene Sinne anzusprechen. Die Kinder erkundeten zunächst Gefäße aus verschiedenen Kulturen, Epochen und unterschiedlichen Materialien wie Keramik, Glas und Metall. Dabei erhielten sie Einblicke in verschiedene Epochen Zeitalter– von Alt-Ägypten bis zur Gegenwart – und lernten, die symbolische Bedeutung der Kunstwerke zu verstehen. Anfassen war hier ausnahmsweise erlaubt. Mit Fühlbeuteln näherten sich die Kinder den Formen haptisch an, ertasteten Verzierungen und Oberflächenstrukturen. Jedes Detail konnte so genau erkundet und Eindrücke beschrieben werden. Aber wie könnte dieses Gefäß klingen? Die Kinder stellten sich vor, welche Töne entstehen würden, wenn man ein Keramikgefäß anschlägt, im Vergleich zu einem aus Metall. Was passiert, wenn man die Gefäße dreht oder schüttelt?

Von der Zeichnung zum Klangobjekt
Nach intensiven Beobachtungen fertigten die Kinder in der Ausstellung Zeichnungen von den Gefäßen an. Im nächsten Schritt bauten sie eigene Klangobjekte Klanggefäße aus Dosen, Bechern und Pappmaché, bemalten diese mit Acrylfarben und füllten sie mit unterschiedlichen Materialien. Wie verändert sich der Klang eines Objektes, wenn es mit Reis, Sand oder Hülsenfrüchten verschiedener Größen gefüllt ist? Die Experimente führten zu überraschenden Entdeckungen. 
Hören, was man nicht sieht
Nach den Klangexperimenten vertonten die Kinder in Kleingruppen ausgewählte Gefäße Kunstwerke aus der Sammlung mit ihren selbstgebauten Instrumenten. Form, Material und Symbolik wurden in Klangkompositionen übersetzt, mal rhythmisch, mal meditativ, mal wild experimentell. Die interdisziplinäre Verbindung zwischen bildender Kunst und Musik wurde hier unmittelbar erlebbar.
Anschließend präsentierten die Kleingruppen ihre entstandenen musikalischen Kompositionen einander. Ohne die Gefäße vertonten Kunstwerke zu sehen, setzten die Kinder das Gehörte in Malereien um. Mit Wasserfarben, Buntstiften und Stoffresten entstanden gemeinsame Bilder, die die Klänge sichtbar machten. Manchmal erkannten die Kinder das vertonte Kunstwerk wieder, manchmal schufen sie völlig neue Interpretationen. Diese vielschichtige, ganzheitliche Erfahrung verband visuelle und akustische Eindrücke auf überraschende Weise.

Vom Werk zur Musik zum Bild
Dieser kreative Kreislauf war neu für die Kinder. Ein Gefäß wird zu Musik, die Musik wird zu einem Bild, das o ganz anders aussah als das Ausgangsobjekt. War das noch „richtig"? Die Kinder lernten, dass es nicht die eine korrekte Antwort gibt, sondern viele Wege, Kunst zu interpretieren. Sie trafen eigenständig Entscheidungen, die den Projektverlauf veränderten. Sie gaben Feedback und brachten ihre Meinungen selbstbewusst ein. Teamarbeit, Problemlösung und kreative Kommunikation wurden ganz nebenbei geübt.
Bei der internen Abschlusspräsentation zeigten die Kinder gegenseitig stolz, was entstanden war.
Kunst für alle Sinne
Das Projekt bewies eindrucksvoll, dass interdisziplinäres Arbeiten völlig neue Zugänge zur Kunst eröffnet. Wenn bildende Kunst und Musik miteinander verschmelzen, wenn Sehen, Hören und Fühlen zusammenkommen, entstehen Erfahrungen, die weit über einzelne Kunstformen hinausgehen. Die Kinder lernten, Kunstwerke nicht nur visuell, sondern auch akustisch zu erkunden und ihre Eindrücke auf vielfältige kreative Weise auszudrücken. Das Museum DKM wurde so für die Viertklässler*innen zu einem Ort, an dem 5.000 Jahre Kulturgeschichte plötzlich lebendig klangen.