OSTHAUS MUSEUM HAGEN | EMIL SCHUMACHER MUSEUM

VON GESICHTERN, MASKEN UND KLÄNGEN

Vom Bild zur Figur

Was erzählt ein Gesicht, ohne dass jemand spricht? Wie verändert eine Maske die Haltung oder sogar den Klang einer Figur? Im Kunstquartier Hagen gingen Schüler*innen der dritten und vierten Klasse sowie einer OGS-Gruppe der Janusz-Korczak-Schule diesen Fragen nach. Über mehrere Wochen wurden die Kunstwerke zum Ausgangspunkt für Bewegungen, Szenen, Klänge und selbst gestaltete Figuren.

Zeigen, verbergen, verändern

Im Zentrum standen Kunstwerke rund um die Themen Gesicht, Maske, Abstraktion und Emotion. Die Kinder betrachteten Mimik, Farben und Formen und probierten aus, wie sich Gefühle darstellen lassen. Wie sieht Wut aus? Woran erkennt man in einem Gesicht Überraschung oder Angst? Und wie verändert sich die eigene Körperhaltung dabei?
Mit Pantomime, kleinen Theaterübungen und Bewegungsspielen erkundeten die Schüler*innen Mimik, Gestik und Posen. Diese wurden mit einer Polaroidkamera festgehalten. Nach und nach entstanden so fiktive Figuren mit eigenen Eigenschaften, Bewegungen und Geschichten.


Vom Bild zur Maske

Aus Zeichnungen entwickelten die Kinder ihre eigenen Masken. Dafür arbeiteten sie mit Pappe, Eierkartons, Farben, Stoffen und unterschiedlichen Schmuckelementen. Manche Masken zeigten deutlich erkennbare Gesichter, andere wurden abstrakt und ungegenständlich.
Zu den Masken entstanden außerdem Kostüme und Kopfbedeckungen. Die Kinder konnten dabei frei ausprobieren, was zu ihrer Gestaltung passte. Aus einem zweidimensionalen Bild entwickelte sich so nach und nach eine Figur, die durch Maske, Kleidung, Haltung und Bewegung im Raum sichtbar wurde.


Wie klingt eine Maske?

Die Masken sollten nicht nur gesehen, sondern auch gehört werden. Dafür bauten die Kinder aus Alltagsmaterialien eigene Instrumente und überlegten, welche Klänge zu ihren Figuren passen könnten.
Manche Töne wirkten harmonisch, andere bewusst schräg oder unruhig. Die Kinder übersetzten Farben, Formen und den Ausdruck ihrer Masken in Geräusche und Musik. Gerade dort, wo Sprache nicht immer selbstverständlich zur Verfügung stand, boten Klang und Musik weitere Ausdrucksmöglichkeiten.

Das Museum selbst gestalten

Die Schüler*innen setzten sich damit auseinander, wie ein Museum funktioniert und nach welchen Kriterien Kunstwerke präsentiert werden. Sie überlegten, welche Arbeiten miteinander in Beziehung treten, wie eine Ausstellung aufgebaut sein kann und welche Wirkung die Anordnung im Raum erzeugt. Auf dieser Grundlage entwickelten sie eigenständig eine Hängung und gestalteten damit selbst einen Teil der Ausstellung. 
Zwei Wochen lang waren die Arbeiten im Museum zu sehen. Bei einem professionellen Fotoshooting wurden außerdem die Maskeraden und Figuren der Kinder festgehalten.
Für viele war gerade diese Präsentation wichtig. Die Arbeiten standen plötzlich dort, wo sonst Museumswerke gezeigt werden. Das Museum wurde damit nicht nur zu einem Ort zum Anschauen, sondern auch zu einem Ort, an dem die Ideen der Kinder sichtbar wurden. Eine Präsentation der Projekte aus Dortmund, Hagen und Witten bildete vom 20. März bis zum 31. August 2025 im Museum Ostwall im Dortmunder U den krönenden Abschluss dieses Vorhabens.

Gemeinsam etwas schaffen

Der Ansatz wurde später mit jungen Erwachsenen des Rahel-Varnhagen-Kollegs weitergeführt. Viele von ihnen bringen unterschiedliche sprachliche und kulturelle Hintergründe und sehr verschiedene Bildungsbiografien mit.
Die Teilnehmenden arbeiteten in zwei Projekten: In einem standen Skulpturen am Anfang der Arbeit und der Schwerpunkt lag auf der Bewegung. Aus Standbildern entwickelten sie kurze Choreografien. Im anderen Projekt rückten Masken und bildnerische Gestaltung stärker in den Vordergrund. In einer gemeinsamen Inszenierung kamen beide Zugänge zusammen. Wie stark die gemeinsame künstlerische Arbeit die Gruppe veränderte, zeigte sich besonders im Anschluss an das Projekt. Eine Lehrerin beobachtete, dass sich die Dynamik innerhalb der Klasse deutlich wandelte: Aus einer eher losen Gruppe entstanden feste Lerngruppen, die auch nach dem Projekt weiter zusammenarbeiteten. Kunst wurde so zum Ausgangspunkt für neue Beziehungen und ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl.

Ob Grundschulkinder oder junge Erwachsene: Kunst, Bewegung, Material und Klang eröffneten verschiedene Wege, sich auszudrücken und miteinander in Austausch zu kommen. Nicht alles musste dabei über Worte funktionieren.

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