KUNSTSAMMLUNGEN DER RUHR-UNIVERSITÄT BOCHUM: SITUATION KUNST

SIEBEN WOCHEN VOLLER EXPERIMENTE

Wenn Landschaften zu Melodien werden
Wie klingt eigentlich ein Gemälde aus dem 15. Jahrhundert? Diese Frage stellten sich 80 Drittklässler*innen der Gertrudisschule in Bochum-Wattenscheid, als sie im Mai 2025 zur Workshopreihe „Bewegende Klänge" in die Situation Kunst kamen. Sieben Wochen lang verwandelten sie historische und zeitgenössische Landschaftsdarstellungen in eigene Klang- und Bewegungserlebnisse.


Von Murmeln und Melodien
Die Kunstvermittlerinnen der Situation Kunst entwickelten ein flexibles Konzept, das sie Woche für Woche anpassten. Sie ließen Raum für Spontanität und machten aus jeder Herausforderung einen kreativen Baustein.
In der Dauerausstellung „Weltsichten“ suchten sich die Kinder jeweils ein Kunstwerk aus, das sie in kleinen Gruppen zum Klingen brachten. Was sie sahen, verwandelten sie in Töne: Murmeln rollten über Tische, mit Händen, Füßen und der eigenen Stimme entstanden Klänge, selbst gebaute Instrumente vervollständigten das fantasievolle Orchester. Mit viel Experimentierfreude entstanden so individuelle Soundtracks und Klangcollagen zu den Kunstwerken.

Körper als Pinsel
Im zweiten Schritt entwickelten die Kinder zu ihren Melodien passende Bewegungen. Es entstanden eigene Choreografien. Was als stilles Gemälde an der Wand hing, wurde zu lebendiger Bewegung im Raum. Ein ruhiges Landschaftsbild wurde zum fließenden Tanz, ein dramatischer Himmel zu kraftvollen, ausgreifenden Gesten.
Zum Schluss hielten die Kinder ihre Bewegungen auf einem großen Stofftuch fest. Mit Fingerfarben malten sie mit Händen und Füßen. Jede Bewegung hinterließ Spuren. So entstanden abstrakte Kunstwerke aus der Verbindung von historischen und zeitgenössischen Bildern, modernen Klängen und choreografischen Bewegungen.

Mehr als nur Kreativität
Das Besondere am Projekt war die inklusive Arbeitsweise: Kinder mit unterschiedlichen Vorerfahrungen und Bedürfnissen fanden über Klang, Bewegung und Farbe gemeinsame Ausdrucksformen. Was zunächst fremd erschien, wurde durch vertraute Mittel wie Körperbewegung und Geräusche zugänglich. Die Gruppenarbeit stärkte nicht nur die Kreativität, sondern auch soziale Kompetenzen und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Großer Auftritt
Am 3. Juli 2025 war es so weit: Gemeinsam mit dem Emschertal-Museum Herne, dem Kunstmuseum Bochum und der Kunsthalle Recklinghausen präsentierten die Kinder ihre „Bewegenden Klänge" im KUBUS der Situation Kunst. Die jungen Künstler*innen haben gezeigt: Wenn man Kindern Raum gibt, ihre eigene kreative Sprache zu entwickeln, entstehen neue Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Kunst lässt sich nicht nur betrachten, sie lässt sich hören, tanzen und neu erschaffen.

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