JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

SELBSTBESTIMMT DURCH DAS MUSEUM

Wer bestimmt eigentlich, wie Kunst erlebt wird?
Im Josef Albers Museum durften das die Besucher*innen selbst entscheiden. Die Dritt- und Viertklässler*innen der Kunst-AG der Grundschule Cyriakus verwandelten ihre Museumsbesuche in eine Forschungsreise und wurden schließlich zu Kurator*innen ihrer eigenen Ausstellung.


Vier Gruppen, vier kreative Welten
Die Farbquadrate von Josef Albers, Objekte der Ur- und Ortsgeschichte und ein Besuch des Skulpturenparks des Museums, so begann eine Reihe von Workshops mit den Schulkindern. Doch statt fertiger Antworten entwickelten die Kinder ihre eigenen Fragen an die Kunstwerke. Mit Methoden aus Theater, Tanz und Kunstvermittlung entdeckten sie ihre ganz persönlichen Zugänge zur Sammlung.

In praktischen Workshops experimentierten sie mit Farben und lernten deren Wirkungen kennen. Die Kinder wählten gemeinsam ein Bild aus, das sie besonders ansprach, und verwandelten die Eindrücke in eine kleine Performance. Visuelles wurde kreativ ins Körperliche übersetzt.

In vier Kleingruppen entwickelten die Kinder völlig unterschiedliche Zugänge: Eine Gruppe wollte Bewegung dreidimensional darstellen und griff zunächst zu Ton. Als sie merkten, dass das Material nicht ihren Vorstellungen entsprach, wechselten sie zu Pappmaché und schufen genau das, was sie sich erhofft hatten. Währenddessen entstanden in einer zweiten Gruppe filigrane Draht- und Pappmaché-Figuren. Die dritte Kleingruppe entdeckte die Fotografie als perfektes Medium für ihre Farb-Bewegungen und verwandelte die Aufnahmen später in ausdrucksstarke Collagen. Ein viertes Team begann mit Geräuschen zu Farben, gestaltete mit Klängen großformatige Farb-Form-Bilder und entwickelte dazu Geschichten sowie eine Performance.

Scheitern als Chance
Besonders wichtig war hier das ergebnisoffene Arbeiten. Die Kinder lernten nicht nur neue Materialien kennen, sondern auch, mit Rückschlägen umzugehen. Wenn ein Material nicht passte, suchten sie gemeinsam nach Alternativen. Die Kunstvermittlerinnen standen mit Rat und Tat zur Seite und zeigten den Kindern verschiedene Materialien, Werkzeuge und Techniken, die sie bisher weder aus der Schule noch von zu Hause kannten. So experimentierten die Schüler*innen, verwarfen Ideen und entwickelten neue. Aus jedem Problem wurde so eine Chance.

Die Bühne gehört den Kindern
Bei der Abschlusspräsentation in der Modernen Galerie übernahmen die Schüler*innen das Kommando. Sie führten selbstständig durch ihre Ausstellung, beantworteten Fragen der Besucher*innen und präsentierten ihre Performance. Auf eigenen Wunsch ganz ohne die Unterstützung der Kunstvermittler*innen. So bewiesen sie eindrücklich, dass sie längst zu Expert*innen ihrer eigenen Kunst geworden waren.



Die Jüngsten entdecken das Museum
Parallel dazu öffnete das Museum seine Türen für die Allerkleinsten: Vorschulkinder aus drei verschiedenen Kindertageseinrichtungen erlebten ihren ersten Museumsbesuch. Mit großen Augen gestalteten die Kinder der evangelischen Kita Martinszentrum, der katholischen Kita St. Elisabeth und der Kita Die Initiative e.V., Mobiles, Draht- und Tonfiguren und wagten sich an eine ganz neue Art des Malens. Der ganze Raum wurde zur Leinwand, der Körper zum Pinsel. Kinder aus verschiedenen Gruppen schlossen neue Freundschaften und lernten, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten.



Selbstbestimmung als Schlüssel
Beide Projekte zeigten eindrucksvoll: Wenn Kinder selbst entscheiden können, wie sie sich mit Kunst auseinandersetzen, entstehen authentische und nachhaltige Erfahrungen. Das Museum wird dann nicht nur zum Lernort, sondern zu einem Ort wahrer Entdeckungen.

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