MÄRKISCHES MUSEUM WITTEN
KLANG, FARBE, BEWEGUNG
Wie Museum und Schule gemeinsam kreativ werden
Seit März 2025 besteht zwischen dem Märkischen Museum Witten und der Pestalozzischule Witten eine enge Kooperation. Die Förderschule liegt in einem sozial benachteiligten Stadtteil und betreut Kinder und Jugendliche von Klasse 1 bis 10, die in ganz unterschiedlichen Bereichen besondere Unterstützung brauchen – ob in der Sprache, beim Lernen oder in ihrer emotionalen Entwicklung. Ein wichtiger Schwerpunkt der Schule ist die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partner*innen, denn Erfahrungen außerhalb des Klassenzimmers sind oft besonders wertvoll. Genau hier setzt die Kooperation an: Kunst und Musik sollen nicht nur vermittelt, sondern erlebt werden – sinnlich, spielerisch, frei.
© Alexander Noss
Klangabenteuer
Den Auftakt machte im März 2025 die Reihe „Was Musik alles sein kann“. In 16 zweistündigen Workshops tauchten vier Klassen in die Welt der Klänge ein. Hier ging es nicht um Notenlesen, sondern ums Entdecken. Kinder hielten Schreibmaschinen ans Ohr, strichen mit Bleistiften über Reißverschlüsse oder ließen Papiertüten rascheln, auf der Suche nach neuen Klängen. Gemeinsam mit den Vermittler*innen entstanden kleine Kompositionen, Loops und Klangboxen. Mal wurde dirigiert, mal frei improvisiert. „Am besten war die Schreibmaschine, so was macht man sonst nie“, meinte eine Schülerin begeistert. Auch ein Ausflug in die Fluxus-Klangkunst öffnete neue Horizonte. Zu klassischer Musik und rhythmischen Impulsen entstanden großformatige Bilder. Zum Abschluss präsentierten die Schüler*innen ihre Werke im Museum Ostwall, sichtlich stolz, und ein bisschen überrascht, was in einer Woche alles möglich ist.
© Alexander Noss
Kunst in Bewegung – Formen und Farben spüren
Von Mitte März bis Ende Mai 2025 drehte sich in einer zweiten Workshop-Reihe alles um Körper, Bewegung und abstrakte Kunst. Inspiriert von Bernard Schultze, Fred Thieler und Angelika J. Trojnarski entstanden fantasievolle Skulpturen, gestisch-abstrakte Malereien und großflächige Stoffkompositionen. Der Museumsraum wurde zu einer Mischung aus Atelier und Bühne: Kostüme wurden angezogen, Posen zu Bildern eingenommen, Tanzsäcke glitten über den Boden. Die Schüler*innen schoben, falteten und drapierten Stoffbahnen, bis daraus riesige Farb- und Formflächen entstanden. Zwischendurch wurden die Tätigkeiten fotografisch dokumentiert, die Fotos wurden direkt ausgedruckt, damit alle sehen konnten, was gerade entstand. Dabei wurden Museumsräume ebenso genutzt wie die Schule, eine spannende Mischung aus vertrauter Umgebung und neuem Erfahrungsraum.
© Alexander Noss
Kreativität ohne Druck
Im Projekt gab es kein „richtig“ oder „falsch“. Die Inhalte wurden flexibel angepasst, je nachdem, wie lange die Konzentration hielt oder welche Ideen im Raum lagen. Mal war es laut und energiegeladen, mal konzentriert und leise. Ziel war nicht ein perfektes Endprodukt, sondern das Erlebnis selbst: gemeinsam etwas ausprobieren, sich ausdrücken, Neues wagen. Die gemeinsame gestalterische Arbeit bereitete allen viel Freude, mehrfach wurde der Wunsch geäußert: „Bitte unbedingt wieder solche Workshops machen!“
Was bleibt – und wie es weitergeht
Für die Kinder war es eine neue Erfahrung, Kunst nicht nur zu betrachten, sondern selbst in den kreativen Prozess einzutauchen. Sie lernten, wie Klang in Farbe übersetzt werden kann, wie Bewegung Raum gestaltet und wie aus Alltagsgegenständen Kunst entstehen kann. Sie erfuhren, dass Kunst im Moment, im Miteinander, im Experiment entsteht. Die Mischung aus sinnlicher Erfahrung, Teamarbeit und künstlerischer Freiheit machte die Zusammenarbeit zu einem besonderen Erlebnis.
Im September geht die Zusammenarbeit weiter, bis alle 20 Klassen der Schule dabei waren. Schon jetzt zeigt sich: Wenn Museum und Schule zusammenarbeiten, entstehen Orte, an denen Kinder und Jugendliche ihre eigene Sprache in der Kunst finden, lebendig, experimentell und mit viel Freude am Gestalten.