Museum DKM, Duisburg
Update #18 – Form und Funktion
Form und Funktion
Etliche Werke der Sammlung des Museum DKM stammen von asiatischen Künstler:innen. Der Dritte Ort, der Verein Aikido im Hof, lehrt die moderne japanische Kampfkunst. So begaben sich Schüler:innen des Landfermann-Gymnasiums, der Gustav-Heinemann-Realschule und der Katholischen Grundschule Goldstraße in verschiedenen Workshops auf eine Entdeckungsreise Richtung Süd-Osten und lernten das Aikido-Dojo, bestimmte Kampfkunsttechniken, asiatische Schriftzeichen, das Formen von Gefäßen mit Ton sowie das Museum und ausgewählte Werke aus der Sammlung kennen. Die Vermittlungsarbeit erfolgte aus der Perspektive der Kinder und Jugendlichen. Den Kunstvermittler:innen war eine ergebnisoffene, ko-konstruktive und kollaborative, vor allem aber auch multiperspektivische Haltung wichtig. Die Schüler:innen wurden ermutigt, eigene Fragen zu stellen, ihre Antworten und Wege selber zu bestimmen.
Alle Workshops wurden durch Fragen an den Raum und seine Funktion geleitet: Fragen an das Museum richteten sich an Sinn und Zweck der Institution. Welche persönlichen Interessen verbinden Schüler:innen mit Kunstwerken? Wie würden sie ein Museum gestalten?
Mehrere Besuche des Dritten Ortes führte die Schüler:innen nicht nur in die friedvolle asiatische Kampfkunst Aikido ein, sondern auch in seine Philosophie des harmonischen Miteinanders. Als Gäste im Aikido Dojo und im Museum beschäftigten sie sich mit der Aneignung privater Räume. Die Wege zwischen den Institutionen führte die Kinder und Jugendlichen in den öffentlichen Raum.
Wie kann man die privaten Orte erreichen? Welche Arten von Bewegung werden beobachtet? Was fehlt im urbanen Umfeld? Fragestellungen, die die Schüler:innen motivierten, die unterschiedlichen räumlichen Konzepte wahrzunehmen und mit künstlerischen Interventionen darauf zu reagieren.
Die Schüler:innen der Klasse 4b der Katholischen Grundschule Goldstraße befassten sich im Museum mit der Installation „Beijing Opera/Peking Oper“ (2000) der chinesischen Künstlerin Yin Xiuzhen. Diese zeigt großformatige Fotos mit Szenen aus dem Alltag auf öffentlichen Plätzen in Peking. Menschen treffen sich, musizieren, spielen Brettspiele und lachen. Die meisten Menschen haben eigene, kleine hölzerne Sitzgelegenheiten dabei. Die Atmosphäre wird auch über eine Soundspur wiedergegeben. Vor den Bildern stehen kleine Höckerchen aus Holz. Inspiriert durch diese Arbeit gestalteten die Schüler:innen ihre eigenen Hocker. Gemeinsam mit den Kunstvermittler:innen schufen sie mithilfe von Farbe und selbst gemachten Pompons individuelle Möbelstücke. Zum Abschluss zelebrierten die Kinder mit ihren selbstgestalteten Höckerchen das öffentliche Miteinander im Duisburger Kant-Park.

Die „Coloured Vases“ von Ai Weiwei, die seit 2006 zur Sammlung des DKM gehören, waren Basis der Workshops mit den Schüler:innen der Klasse 4a derselben Grundschule. Sie beschäftigten sich mit unterschiedlichen Arten von Gefäßen. Mit Kreide wurde das Formzeichnen auf dem Boden geübt und später eigene Skizzen von Gefäßen auf Papier entworfen. Nach den zweidimensionalen Trockenübungen formten die Kinder dreidimensionale Vasen, Schalen, Becher und Schüsseln aus Ton. Diese wurden anschließend mit einem kräftigen Farbauftrag versehen.

Die Schüler:innen des Landfermann-Gymnasium untersuchten die Schriftzeichen auf den Werken asiatischer Künstler:innen, um anschließend das Malen und Schreiben mit dem Pinsel durch freie Bewegungsübungen selbst kennenzulernen. Sie übten ihre Lieblingsschriftzeichen und entwarfen eigene Symbole. Die Kunst der Bewegung stand auch bei dem Besuch des Dritten Ortes im Zentrum. Dort wird die japanische Kampfkunsttechnik gelernt, bei der auch Schwerter zum Einsatz kommen. Diese wurden durch Lichtschwerter ersetzt. Die erlernten Bewegungen erzeugten eine dynamische Lasershow, die fotografisch als sogenannte Lichtgraffiti festgehalten wurde.
In der Ausstellung "Omoshirogara" wurden Kimonos und Stoffe gezeigt, deren Motive den Umgang und die Verherrlichung diverser Kriege mit Japans Beteiligung zeigten. Die Schüler:innen der Gustav-Heinemann-Realschule schauten sich gemeinsam mit den Kunstvermittler:innen die Motive genau an, diskutierten diese und verwandelten die Kriegsmotive in Friedenssymbole. Die Jugendlichen erstellten daraus Schablonen und übertrugen sie auf T-Shirts.
Mit den Kimonos bezogen Menschen Stellung zu den Kriegen, jetzt präsentierten sich die Schüler:innen mit den Friedenssymbolen und einer klaren Haltung gegen den Krieg.