Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum / Situation Kunst
Update #20 – ZWISCHEN INNEN UND AUSSEN – UND WIR MITTENDRIN
ZWISCHEN INNEN UND AUSSEN – UND WIR MITTENDRIN
Zum Bestandteil des Kunstwerks werden – das ist in den Environments von Situation Kunst möglich. Durch die Begehung der Raumkunstwerke sind diese nicht nur visuell erfahrbar, sondern werden mit dem ganzen Körper wahrgenommen. Darüber hinaus sind einige Arbeiten nicht nur durch uns Betrachter:innen im Innenraum beeinflusst, sondern auch der Außenraum kann eine wechselhafte Erfahrbarkeit der Raumkunstwerke ermöglichen. Gemeinsam mit einer Grundschulklasse der Köllerholz-Schule sollten diese Erfahrungen in das Musische Zentrum der Ruhr-Universität als Dritter Ort übertragen werden. Fragen nach Innen- und Außenraum und deren Abgrenzung, aber auch Verbindungen standen hier im Mittelpunkt. Das Erschaffen eines Kunstwerkes, welches diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten sichtbar macht, wurde als gemeinsames Ziel verfolgt. Der Innenraum des Musischen Zentrums wurde hierbei zur Bühne des Geschehens.

Das erste gemeinsame Zusammentreffen fand direkt auf dem Gelände von Situation Kunst statt. Nach einer kurzen Vorstellung des Museums sowie der Klasse ging es auch direkt los in das erste Environment. Große Stahlplatten, die weit über die eigenen Köpfe ragen, sind in den vier Ecken des Raumes platziert. Zu Beginn sollten die Schüler:innen, ohne nähere Information zu dem Kunstwerk „Circuit“ von Richard Serra, eigene Eindrücke über das Werk sammeln. Was fällt ihnen auf? Wie ist das Kunstwerk aufgebaut? Welche verschiedenen Perspektiven können eingenommen werden und wie beeinflussen diese die Wirkung des Kunstwerks? Diese und viele weitere Fragen beschäftigten die Schüler:innen. Auch die Environments „Room with two doors“ von Maria Nordman und „Tyndale Sculpture“ von David Rabinowitch wurden gemeinsam begangen. Die Besonderheit dieser beiden Raumkunstwerke ist, dass sie nicht nur mit den zur Verfügung stehenden Mitteln des Innenraums arbeiten, sondern auch den Außenraum aktiv einbeziehen.
Die Schüler:innen konnten dabei spielerisch und dialogisch erfahren, dass nicht nur sie selbst die Environments in ihrer Wirkung beeinflussen, sondern auch der Umraum diese Wechselwirkung ermöglicht. Durch das gemeinsame Erkunden der Kunstwerke ohne vorherige Anweisungen von Seiten der Kunstvermittlerinnen war es den Schüler:innen möglich, den Werken unvoreingenommen gegenüber zu treten. Materialien wie Stahl, Gips und Beton wurden genauer untersucht und anschließend in der Gruppe besprochen. Hierbei wurde ein besonderes Augenmerk auf die verschiedenen Eigenschaften dieser Materialien und wo man ihnen sonst im alltäglichen Leben begegnen kann, gelegt. Ebenso wichtig wie die Materialien waren an dieser Stelle Licht und Geräusche in den einzelnen Räumen der Situation Kunst. Gerade der Einfluss des Lichtes in den nicht künstlich beleuchteten Environments wurde mit viel Interesse diskutiert und als verbindendes Element zwischen Innen- und Außenraum untersucht. Besonders spannend und inspirierend für die Schüler:innen war die Eigenschaft des Lichtes, den Innenraum durch seine An- oder Abwesenheit zu beeinflussen, zu formen und, wie im Falle von Maria Nordmann, erst entstehen zu lassen.
Mit den zahlreichen Eindrücken, die im Museum gemeinsam gesammelt wurden, konnte auch bei den Treffen in der Schule viel besprochen und diskutiert werden. Die Erinnerung wurde anhand der Notizen zur Kunstbetrachtung aufgefrischt und die Erfahrungen verwandelten sich im Gespräch geradezu spürbar. Zu Beginn beschäftigten sich die Schüler:innen mit den unterschiedlichen Materialien, die im Musischen Zentrum zur Verfügung standen, um im Anschluss in Gruppen von 2-3 Personen unterschiedliche Raummodelle anzufertigen. Die Modelle wurden vor der ganzen Klasse vorgestellt. Hierbei legten die Schüler:innen einen besonderen Schwerpunkt darauf, Raumgrenzen zu durchbrechen, sie zerfließen zu lassen und konventionelle Raumkonstellationen mit neuen Formen aufzubrechen. Ebenso wurden die Fragen behandelt, wo diese Aspekte im städtischen Raum wiederzufinden sind, wo sich Außenraum von Innenraum trennt und an welchen Stellen der Außenraum in den Innenraum eingreift.
Im Musischen Zentrum arbeiteten die Schüler:innen an einem großen gemeinsamen Raumkunstwerk. Hierzu wurden in der Schule vorab Gruppen gebildet und geplant, welche Elemente aus den Modellen in das große Kunstwerk übertragen werden können. So ergaben sich mehrere Kleingruppen, die sich mit den unterschiedlichen Materialien wie Stoff, Wolle, Lichterketten oder LEDs befassten, um vorab einen Raum zu kreieren, dessen Innenraum im Anschluss gestaltet wurde.