Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr (mit Museum Temporär)

Update #08 – Von Skulpturen inspiriert 

VOn Skulpturen Inspiriert 

Das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr verfügt nicht nur über eine umfangreiche Sammlung, sondern auch über 300 Kunstwerke im öffentlichen Raum. Im Mittelpunkt des Projekts stand somit die Gegenüberstellung des musealen und des städtischen Raums. Zwei Schulen beschäftigten sich mit öffentlichen Kunstwerken in ihrem eigenen Viertel. Der Stadtraum wurde zum Denkraum. Die kreative Produktion fand am Dritten Ort statt. Das Atelier Farbfuchs, ein privater Raum für künstlerische Bildung und Weiterbildung, bot die Laborsituation für künstlerische Experimente, war Entwicklungs- und Ausstellungsort der künstlerischen Interventionen der Jugendlichen.

Die 8. Jahrgangsstufe der Realschule Stadtmitte bearbeitete Wolfgang Liesens „Stadtsäule“. Die Schüler:innen des Kunst-Medien-Kurses des 9er Jahrgangs der Otto-Pankok-Schule untersuchten die Bronze „Die Akrobaten“ von Lajos Barta. Die „Stadtsäule“ steht mitten in der Mülheimer Innenstadt und besteht aus 40 Bronze-Würfeln, die besondere Ereignisse der Mülheimer Stadtgeschichte zeigen. Die Skulptur bot nicht nur die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit Kunst im öffentlichen Raum und deren Gestaltung, sondern auch der Neu- oder Wiederentdeckung der Historie der eigenen Stadt. Die Schüler:innen wurden sensibilisiert, über ihre Stadt und ihre hiesige Zukunft nachzudenken, um die Geschichte aus einer persönlichen Perspektive weiterzuschreiben. Lajos Bartas „Die Akrobaten“ befindet sich in einem ehemaligen Pflanzbecken auf dem Schulhof der Otto-Pankok-Schule. Die abstrakte Figur zeigt verschiedene Körperelemente, die zu tanzen scheinen. Thema der Arbeit ist Gleichgewicht, Balance und Bewegung. Inspiriert von Bartas Werk und der damit verbundenen Zirkusthematik diskutierten die Schüler:innen inhaltlich und kompositionell die Themen „Gleichgewicht“ und „Zusammenbruch“ in Verbindung mit der Inszenierung von Körpern durch Mode.

Die Jugendlichen der Realschule Stadtmitte befassten sich zunächst mit der Historie Mülheims, um dann Zukunftsvisionen für ihre Stadt zu entwickeln. Wie sehen Jugendliche ihr Verhältnis zum Heimatort? Was gefällt ihnen in der Stadt? Was möchten sie verändern? Wie sehen Jugendliche ihre Zukunft an diesem Ort? Ausgehend von diesen Fragestellungen näherten sich die Schüler:innen nach und nach dem aktuellen Stadtgeschehen und formulierten ihre Ideen und Wünsche mit ihrer ganz eigenen jugendlichen Sicht. Gemeinsam mit dem Dritten Ort, dem Atelier Farbfuchs, visualisierten die Jugendlichen in Kleingruppen ihre Themen. Zur Vorbereitung und Ideenfindung arbeiteten sie auch im Jugendzentrum Georgstraße und im Medienzentrum. In den Ateliers realisierten die Schüler:innen die Ergebnisse ihrer Recherchen und ihre Gedanken auf Bildtafeln. Die Motivideen wurden dann auf große Papp-Würfeln übertragen. Es entstanden gemeinschaftlich vier neue Stadtsäulen, die die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner:innen jeweils anders erzählen. Die Wünsche waren kreativ und vielfältig: So forderten die Schüler:innen den Ausbau von Spielplätzen, Aufenthaltsorten und Parkanlagen in der Innenstadt. Ein Freizeitpark, ein Fußballplatz und eine Skaterbahn fehlten ihnen im Stadtbild ebenso wie bessere Einkaufsmöglichkeiten. Vor allem wurden jedoch Wünsche nach einem respektvollen sozialen Miteinander formuliert. Häufig war „Peace“ oder „No war“ auf den Würfeln zu lesen, aber auch die Achtung hinsichtlich Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung waren für die Jugendlichen wichtige, wiederkehrende Themen.

Die im Projekt entstandenen Säulen wurden nicht nur auf dem Schulhof installiert, sondern auch neben der historischen Stadtsäule präsentiert. Von Februar bis März 2022 konnten sie im MUSEUM TEMPORÄR in Mülheim ausgestellt und besichtigt werden. In der Ausstellung wurden nicht nur die Projektergebnisse aus dem Kunstmuseum Mülheim gezeigt, sondern auch Workshop-Resultate des Lehmbruck Museums Duisburg: Schüler:innen des Duisburger Friedrich-Albert-Lange Berufskollegs hatten sich im Workshop KUNST TO GO – DIGITAL STATT ILLEGAL mit Graffiti im Stadtraum auseinandergesetzt und eigene Stencils als zeitgenössische Spielart der Kunst im öffentlichen Raum entworfen.

Die Schüler:innen der Otto-Pankok-Schule entwickelten angelehnt an das Thema Artistik fantasievolle Kostüme. Der Clou: Die tragbaren Kostüm-Kunstwerke wurden komplett aus recyceltem Material, darunter Pappen, Zeitungspapier oder Mülltüten gefertigt. Unterstützt wurden sie von einer Modedesignerin des Ateliers Farbfuchs. Zum Abschluss des Projekts inszenierten die Jugendlichen bekleidet mit ihren Kostümen und Masken eine Performance vor dem Kunstwerk.

 

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