Osthaus Museum Hagen / Emil Schumacher Museum, Hagen

Einblick #12 – Tourist in der eigenen Stadt

Die RuhrKunstMuseen befinden sich in der Konzeptionsphase für das neue Vermittlungsprojekt RuhrKunstUrban. 2021 starten die Workshops mit den Schulen und den Dritten Orten in den Städten des Ruhrgebiets. An dieser Stelle geben wir erste Einblicke in die Projekt-Vorbereitungen und die Vermittlungsarbeit der 21 RuhrKunstMuseen.

Tourist in der eigenen Stadt

Den Namen Osthaus Museum Hagen trägt die historisch bedeutsame Institution seit der Wiedereröffnung im Jahr 2009. Gegründet wurde das Museum bereits 1902 von Karl Ernst Osthaus als "Folkwang-Museum". Es gilt als das erste Kunstmuseum, das Werke lebender Künstler*innen ausstellte. Viele der damals gezeigten Künstler*innen zählen heute zu bedeutenden Vertreter*innen der Moderne. Auf der Internetseite des Museums findet sich ein Zitat von Osthaus: "Es wäre unrecht, Künstlern die Möglichkeit zum Ausstellen zu versagen, weil sie Widerspruch hervorrufen könnten. Der Zweck unserer Anstalt ist nicht, die Menschheit vor Entwicklung zu schützen." Der gebürtig aus Hagen stammende Kunstsammler und Mäzen Osthaus hatte viele visionäre Ideen, um die Kunst in die Industriestadt zu holen, verstarb jedoch 1921 bereits im Alter von 46 Jahren. Nach seinem Tod wurde die Sammlung samt Namen nach Essen verkauft. Nach vielen Jahren voller Wirrungen und Wendungen kam es nach dem Zweiten Weltkrieg zur Neugründung in Hagen: die Sammlung musste komplett neu aufgebaut werden, das Gebäude wurde saniert, zum Teil rekonstruiert und erweitert.
Direkt nebenan errichtete die Stadt Hagen 2009 das Emil Schuhmacher Museum, das sich dem Lebenswerk des aus Hagen stammenden Künstlers und Mitbegründers der Künstlergruppe "junger westen" widmet. Schumacher gehört zu den Wegbereitern der abstrakten Malerei in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und ist mit seinen Arbeiten in internationalen Sammlungen vertreten. Der neu gebaute Glaskubus des ihm gewidmeten Museums ist über ein großes Foyer mit dem Osthaus Museum verbunden. Das Architekturbüro Lindemann Architekten reagierte außerdem auf das "Alte Kreisgericht" und schuf so einen verbindenen Platz. Die beiden Museen treten seitdem gemeinsam als "Kunstquartier Hagen" auf.

Altbekanntes neu entdecken

Ein paar hundert Meter vom musealen Bauensemble entfernt, befindet sich die Janusz-Korczak-Grundschule. Die Drittklässler*innen werden an dem Projekt RuhrKunstUrban teilnehmen. Die Schule liegt umgeben von typisch städtischen Orten: Friedhof, Krankenhaus, Kirche, Stadtgarten mit Wildpark viele Geschäfte, Supermärkte und Restaurants sind ganz in der Nähe.

Gemeinsam mit der HAGEN.AGENTUR, die das Stadtmarketing und die Tourismusförderung der Stadt betreibt, haben Dr. Elisabeth May, Leiterin des Bereichs Bildung und Vermittlung, ihre freien Kunstvermittlerinnen Dorothea Csitneki und Saskia Lipps sowie Vertreter*innen der Schule ein spannendes Thema entwickelt: Tourist in der eigenen Stadt. Dieses passt hervorragend zum neuen Programm der HAGEN.AGENTUR „Hagen mit Kinderaugen entdecken“. Die Kinder werden zu Beginn der Workshops im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal dort abgeholt, wo sie sich befinden: in der Schule. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schulweg wird ganz am Anfang stehen. Das Endergebnis ist noch vollkommen offen – bei der Entwicklung sollen die Lehrer*innen und Schüler*innen intensiv eingebunden werden. Die Ergebnisse können später als Printmedium oder medial aufgearbeitet durch die HAGEN.AGENTUR zur Verfügung gestellt werden. Die Agentur möchte wichtige Impulse zur positiven Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Hagen setzen. Das ist ganz im Sinne von Karl Ernst Osthaus, der das Image von Hagen positiv verändern wollte. Er hätte sicher großen Gefallen an dem Projekt und der Zusammenarbeit gefunden.

Stand: Dezember  2020 

 

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