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Tobias Rehberger

Slinky Springs to Fame

Oberhausen

Roman Mensing, Münster

Das Ruhrgebiet besitzt eine einzigartige Brückenlandschaft aus alten Verkehrsstraßen und innovativen Brückenkunstwerken. Seit dem Jahr 2011 führt eine neue Brücke vom Kaisergarten in Oberhausen über den Rhein-Herne-Kanal hinüber zur sogenannten Emscherinsel. Mit dieser Brücke hat der Künstler Tobias Rehberger ein neues Wahrzeichen für den Emscher Landschaftspark entworfen.
Schwingend und spielerisch leicht erhebt sich das Brückenband vom Boden in die Lüfte und überwindet dabei scheinbar mühelos immerhin 406 Meter bis zum anderen Ufer. Slinky Springs to Fame (Slinky springt zum Ruhm) – schon im Titel der Brücke deutet sich der Höhenflug, wenn nicht gar ein Griff nach den Sternen an. Als Vorbild für seine Brücke nahm sich Tobias Rehberger ein Kinderspielzeug – die laufende Spiralfeder »Slinky«, von dem amerikanischen Ingenieur Richard James im Jahr 1943 wohl eher aus einem Zufall heraus entwickelt. Wie zufällig mutet nun auch die Brücke an, die ganz und gar nicht in einem Rutsch auf der anderen Seite des Kanals landet, sondern von Abschnitt zu Abschnitt ihr Terrain erobert, wobei sie über dem Rhein-Herne-Kanal sogar eine ausgesprochen luftige Höhe von zehn Metern erreicht. In Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Schlaich Bergermann und Partner wurde die technische Umsetzung der künstlerischen Skulptur realisiert. Wie ein wild geworfenes Lasso sollte die Brücke nach dem Wunsch von Tobias Rehberger wirken – deshalb entschied man sich für eine Spannbandbrücke – die filigranste und leichteste aller möglichen Konstruktionen. 496 Spiralen umschlingen dabei das Laufband, das mit einem Farbcode von 16 verschiedenen Tönen für Abwechslung sorgt. Die Ingenieure haben dabei nicht nur Rehbergers Brückenentwurf verwirklicht, sondern auch ein Lichtkonzept. Täglich ist »Slinky« abends durch LED-Leuchten von unten angestrahlt, und die Brücke schlängelt sich wie ein farbig leuchtender Lindwurm durch die Nacht.
Die Begehung der Brücke wird zu einem in jeder Hinsicht beschwingten Erlebnis: Der elastische Bodenbelag verleiht unseren Schritten eine ungeahnte Dynamik, und das Auge erfreut sich am Rhythmus der Farbfelder unter unseren Füßen. Diese Brücke ist selbst ein herausragender Ort in der Landschaft und macht das Schweben in der Luft spürbar. Tobias Rehberger, dessen Arbeiten sich zwischen Malerei, Bildhauerei, Design, Aktionskunst und Architektur bewegen, hat mit Slinky Springs to Fame weitaus mehr als nur eine Verbindung zwischen zwei Orten geschaffen. In vielen Windungen gestaltet, lässt uns seine Brücke Zeit zur Wahrnehmung der Landschaft – und zur Verortung in einer Region. »Aus Wirtschafts-Wegen werden Menschen-Wege «
– in der Vergangenheit wurden über die Brücken im Revier vor allem die Energien und Rohstoffe des Industriezeitalters befördert. Nach dem Ende der Montanzeit entsteht nun auf den stillgelegten Trassen ein neues Netz aus Wander- und Fahrradwegen. Im Jahrhundertprojekt Emscherlandschaftspark wird die Sanierung alter und der Bau neuer Brücken zum Symbol dafür, dass die Menschen ihre verlorene Landschaft wieder zurückgewinnen.

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