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Abraham David Christian

o. T.

Bochum

Ferdinand Ullrich, Recklinghausen

Die zweiteilige Skulptur aus Stahl entstand im Rahmen des »1. Bochumer Symposiums Stadt und Bildhauerei« und wurde auf der Rasenfläche einer Verkehrsinsel in Bochum errichtet. Ihre Form entspricht nicht den geometrischen Normen der Präzision: Rechte Winkel sind nicht wirklich rechtwinklig. Auch ist die Skulptur nicht hierarchisch in die Verkehrslinien eingebunden. Sie ist etwas verschoben. Dennoch ist sie Teil der Verkehrswege. Ihre T-Form ist nicht geschlossen, sondern durchlässig. Natur kann in sie eindringen, zumindest optisch. Im Sonnenlicht produziert die Skulptur durch ihren Schattenwurf eine sich stets verändernde dritte Form, die die beiden Teile begleitet und sich zugleich aus ihnen ableitet. Die Oberflächen spiegeln das Licht unterschiedlich, sie sind nicht einheitlich eingefärbt oder patiniert, sondern entwickeln sich von selbst in monochromer Differenziertheit. Bei aller Einfachheit bleibt die Figur ein Geheimnis. Sie erzählt nichts. Sie bildet nichts ab. Sie ruht in sich selbst und tut damit etwas, was den Verkehrsplanern der Umgebung nicht gelungen ist, sie definiert den Ort.
Abraham David Christian verarbeitet in seinen Werken die unterschiedlichsten Lebenserfahrungen. Er lebt und arbeitet in seiner Geburtsstadt Düsseldorf sowie in New York und im japanischen Hayama. Permanent setzt er sich unterschiedlichen kulturellen Einflüssen aus, die er leise und nachdenklich verarbeitet. Er dachte schon global und multikulturell, lange bevor diese Begriffe Allgemeingut wurden. In allen seinen Werken finden wir diese fast unsichtbare Transparenz der differenzierten Kulturtechniken, die in jeder Arbeit miteinander verschmelzen und sie zu einem Bündel vieler Geheimnisse machen. Die Kunstwerke kommen aus der Gesellschaft, aus den Gesellschaften, und müssen zu ihnen gehören. Als Schüler von Joseph Beuys forderte er mit 19 Jahren seinen Meister zu dem berühmten Boxkampf für direkte Demokratie durch Volksabstimmung auf der documenta 5 in Kassel 1972 heraus. Beide Künstler trugen ihn öffentlich als Kunstwerk aus. Abraham arbeitet an einer friedlichen, demokratischen Gesellschaft. Aber er ist nicht Künstlerfürst oder Revolutionär, sondern eher ein Seismograf, der seine Daten durch genaues Hinsehen, Studieren und Verstehen gewinnt.
Auch das Bochumer Werk zeigt dieses Kunstwollen, das auf dem Prinzip des Erfahrens beruht, um Leben bewusst, ähnlich wie bei Beuys, in ein plastisches Denken umzusetzen. Bei Abraham bedeutet dies: keine Abbildungen, keine Illusionen, keine Lügen, sondern Kunstwerk pur. Zugleich ist jedes seiner Kunstwerke ein biografisches Zeichen auf dem Weg seines künstlerischen Lebens. Es gibt wohl keinen anderen Künstler, dessen Werk sich so eng an die eigene Vita bindet. Doch Abraham erzählt nicht sein Leben, sondern die Wahrheiten eines dreidimensionalen oder zeichnerischen Denkens. Die Geheimnisse bleiben stets bewahrt. Abraham hebt in seinen Werken die Schwere des Materials auf. Er verdichtet es nicht durch dramatische Hammerschläge, sondern der Guss wird zu einer raffinierten Patina der Oberflächen genutzt: Eine besondere Oberflächenleichtigkeit versetzt das Metall in einen geistigen, schwerelosen Zustand. Es ist mehr als eine fragile Form oder die Besetzung eines Raumes. Es ist Bereicherung ohne expressive Schreie. In die Skulptur bringt der Künstler seine eigene Körperlichkeit ein, die er damit zugleich überwindet.

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