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Hermann EsRichter und Klaus Noculak

Nachtzeichen

Gelsenkirchen

Andreas Ren, Bochum © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Die Halde Rungenberg in Gelsenkirchen ist bei Tag und in der Nacht ein Erlebnis – sie hat den Charakter eines Gesamtkunstwerks. Künstler, Architekten und Landschaftsplaner verwandelten den aufgeschütteten Berg in eine ausdrucksstarke Landmarke. Die Halde Rungenberg entstand aus dem Abraum des Bergwerks Hugo/Ewald. Für das Haldentop wurde nach den Vorgaben des Architektenbüros Rolf Keller noch einmal dunkles Bergematerial auf den begrünten Sockel geschüttet. Mitten hindurch sorgt eine schnurgerade Schneise für eine unmittelbare Verbindung zur benachbarten Bergarbeitersiedlung Schüngelberg und verleiht dem Haldengipfel die Gestalt einer Zwillingspyramide. Das pure Material und die betonte Form der Schüttung von Rungenberg erinnern an die historischen Spitzkegelhalden und sollen die Künstlichkeit der Halden, ihre Herkunft und Entstehung im Bewusstsein halten.

In einem Wettbewerb, den Hermann EsRichter und Klaus Noculak für sich entscheiden konnten, sollten die charakteristischen Merkmale des neuen Landschaftsraums im Süden von Gelsenkirchen-Buer künstlerisch akzentuiert und sichtbar gemacht werden. 1999 wurde die Gestaltung der Halde realisiert: Für die Lichtinstallation Nachtzeichen sind auf beiden Kuppen der Halde Spiegelscheinwerfer so positioniert, dass sich ihre Strahlen im Nachthimmel überschneiden. Dabei werden die Böschungswinkel der Haldenschrägen durch das Licht verlängert und vollenden den Berg zum idealen geometrischen Gebilde einer Pyramide. Mit der Überkreuzung spiegeln die Strahlen die Pyramide und stellen sie »auf den Kopf«, als immaterielles Lichtzeichen in der Unendlichkeit des dunklen Firmaments. Durch die monumentale Lichtinstallation ist der aufgeschüttete Berg in der Dunkelheit schon von Weitem sichtbar. Am Westhang befindet sich das sogenannte »Schienenplateau« in Form einer gigantischen Ellipse, die aus dem sanft ansteigenden Haldenhang unterhalb der mittleren Anhöhe ragt. Das 40 x 50 Meter große Feld besteht aus rostigen Zechenbahngleisen, die dicht nebeneinander und zum Teil übereinander verlegt sind. Sie bilden ein künstliches Bodenrelief, das zum einen in die Natur integriert ist, während es zugleich auf das wichtige Transportsystem verweist, das die industrielle Entwicklung der einstigen Montanregion prägte. Die künstlerische Überformung der Halde Rungenberg zeigt vielfältige Bezüge zur Geschichte der Region: Die Ellipse des »Schienenplateaus« setzt einen spannungsvollen Gegenpol zum Dreieck der Haldenpyramide. Diese entstand aus dem Abraum, der mit der Kohle aus der Erde gefördert wurde. Was Millionen Jahre tief im Inneren der Erde ruhte, ist in einem gewaltigen Prozess nach oben gebracht worden und wölbt sich nun als Landschaft gen Himmel. Das Ausgangsmaterial der Kohle waren Pflanzen, die unter Einwirkung der Sonne Fotosynthese betrieben. Einstmals hat man aus der fossilen Kraft der Kohle Energie erzeugt – mit der Idee einer Lichtpyramide findet diese Vergangenheit nun ihre mythische Überhöhung in der Kunst der Gegenwart.

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