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Piet Oudolf und GROSS.MAX

Hortus Inconclusus

Bottrop

Ferdinand Ullrich, Recklinghausen

Das, was sich heute euphemistisch »Berne-Park« nennt, war ursprünglich ein Klärwerk. Eingeklemmt zwischen den zu Abwasserkanälen gewordenen Flüssen Berne und Emscher, zwischen Zechenbahntrasse und viel befahrener Autobahn, war dies ein Ort der Hässlichkeit. Heute ist es ein Anlaufpunkt für Kulturtouristen und Aufenthaltsort der benachbarten Siedlung Bottrop-Ebel, selbst eine verwunschene Exklave auf der Emscherinsel. Piet Oudolf, der niederländische Landschaftsarchitekt, konnte gemeinsam mit dem schottischen Landschaftsarchitekturbüro GROSS.MAX diesen Ort so verwandeln, dass er zu einer kleinen Attraktion wurde.
Dabei haben sie die Gegensätze und die Geschichte keineswegs ausgelöscht, sondern vielmehr in der Erhaltung der symmetrischen Großform bewahrt. Die beiden großen runden Klärbecken mit den stählernen Stegen, die zum Zentrum führen, sind ein weithin sichtbares und erlebbares Zeichen. Das eine Becken hat Oudolf als Pflanzengarten angelegt, der in ein konzentrisches Wegesystem eingefügt ist. Dies deutet eine Art Drehbewegung an und verweist damit auf die ursprüngliche Funktion. Im Klärbecken wurde das Schmutzwasser mit großen Schiebern beständig in eine kreisförmige Bewegung versetzt, um so Sauerstoff zur Reinigung zuführen zu können. Das zweite Becken ist weiterhin mit Grundwasser gefüllt und somit in seiner Erscheinung nicht verändert. Der Lichtkünstler Mischa Kuball hat für beide Becken ein Werk realisiert, das in der Nacht die Rundform des Beckens dynamisiert. Ein Lichtstreifen bewegt sich wie eine Welle auf der äußeren Kante und umreißt so das Becken, sobald es selbst in der Dunkelheit verschwunden ist. Auf dem Dach des ehemaligen Maschinenhauses hat der amerikanische Konzeptkünstler Lawrence Weiner ein Text-Kunst-Werk geschaffen. In Schreibschrift ist dort zu lesen: »CATCH AS CATCH CAN«. Das charakteristische Gebäude mit verglastem, rundem Vorbau ist symmetrisch zwischen den Becken positioniert. In ihm selbst befindet sich neben den erhaltenen Maschinen und dem Leitstand heute ein Ausflugsrestaurant mit Blick auf die beiden Becken. Am erhöhten Rand des gärtnerisch gestalteten Beckens liegt das »Parkhotel« – fünf Abwasserrohre aus Beton, die so ausgestaltet sind, dass sie als Wohnhöhle fungieren. Und in der Tat können die Besucher dort in den Sommermonaten wohnen. Die Hotelzimmer sind über das Internet zu buchen. Bereits zuvor hat Oudolf einen Park auf der ungenutzten Hochbahntrasse in Manhattan mitgestaltet und so auch dort den Stadtbewohnern einen urbanen Raum zurückgegeben.

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