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Lili Fischer

Hammer Herbarium

Hamm

Jürgen Greve, Hamm © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Die Künstlerin Lili Fischer betreibt seit Langem Studien zur heimischen Pflanzen- und Tierwelt, zu alten Bräuchen und zu unserer alltäglichen Umwelt. Ihre Arbeitsweise bezeichnet sie, der Ethnologie und Sozialforschung entlehnt, als »Feldforschung«. Dabei wählt sie einen eng begrenzten Ausschnitt aus der Umwelt, den sie einer eingehenden ästhetischen Untersuchung unterzieht. Über Jahre hinweg sammelte sie zum Beispiel Staubflocken oder legte Herbarien mit Kräutern an, die sie dann in einen Zusammenhang zu fast vergessenen Verfahren und Bräuchen stellte.
Sie befasste sich mit Spinnweben und Nachtfaltern und untersuchte die Ökologie von Halligen, den kleinen unbedeichten Inseln in der Nordsee.
Lili Fischer selbst beschreibt ihre künstlerische Position folgendermaßen: »Kunst verstehe ich nicht so sehr als sozialen, sondern als intersubjektiven Prozeß – erst durch eine persönliche Ansprache des Adressaten (›Publikum‹ ist ein viel zu pauschaler Begriff) und eine längerfristige Zusammenarbeit gewinnt das Material, hier die getrocknete Pflanze, neue Dimensionen hinzu, die für mich auch unbekannt sind. Im Grunde steckt hinter dieser Vorgehensweise die Idee, daß der Künstler heute nicht mehr die Aufgabe hat, einmalige Festlegungen formaler oder inhaltlicher Art zu treffen, sondern eher Strategien zu erfinden, die anderen die Möglichkeit bieten, selbst ihre eigenen Erlebnisse zu entdecken. Der Künstler gewissermaßen als Vorläufer einer wiedergewonnenen Lebensaufmerksamkeit.

Ihre Arbeiten regen den Betrachter dazu an, über seine eigene Umwelt mehr zu erfahren und sich intensiver mit ihr auseinanderzusetzen. Dabei legt sich die Künstlerin nicht auf ein Medium fest, sondern setzt ihre Untersuchungen in Performances, Objekten, Zeichnungen, Bildern, Texten und Künstlerbüchern um.
Die Arbeit Hammer Herbarium im Innenhof des Gustav-Lübcke-Museums gehört zu den Pflanzenstudien von Lili Fischer. Sie besteht aus 60 Keramikfliesen, die in Betonrahmen eingefasst sind und in unterschiedlicher Höhe über dem Boden auf verzinkten Stahlträgern montiert sind. Die Betonrahmen haben die Form von aufgeschlagenen Büchern. Auf den Fliesen sind Abbildungen von getrockneten Pflanzen zu sehen. Diese bilden die von der Künstlerin in Herbarien gesammelten Pflanzen ab. Dabei stehen die einzelnen Pflanzen immer in einem bestimmten Zusammenhang zueinander, der auf den ersten Blick oft nicht zu erkennen ist. Es kann sich um Kräuter aus alten Medizin- und Heilbüchern oder aus der Hexenkunde handeln, oder aber um heimische Pflanzen, die die Künstlerin mit dieser Installation wieder ins Bewusstsein der Betrachter bringen will. Ganz bewusst bezieht sich Fischer dabei auf die traditionelle Form der Pflanzenkonservierung und -bestimmung: das Herbarium. Die Brockhaus-Enzyklopädie bezeichnet dieses als ein »ursprünglich bebildertes Kräuterbuch, auch ein Drogenmuseum, seit dem 16. Jahrh[undert] eine wissenschaftl[iche] Sammlung getrockneter und meist auf Papierbogen befestigter Pflanzen. Seinen Wert erhält ein H[erbarium] durch die Reichhaltigkeit der beigefügten Angaben: Fundort, Sammeldatum, Name des Sammlers, Tracht der Pflanze, Blüten- und Fruchtfarbe, Pflanzengesellschaft, Volksnamen, Verwendung u. a. H[erbarien] können nach systematischen, morpholog[ischen] oder ökolog[ischen] Gesichtspunkten angelegt werden.«
Vgl. Ziesche, Angela: »Lili Fischer. Gestalthafte Gedächtnisbilder im Vorhandenen finden«, in: Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 30, Heft 20, 1995, S. 3.

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