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Micha Ullman

Grund/Ground

Marl

Ferdinand Ullrich, Recklinghausen

Hinter dem Skulpturenmuseum Glaskasten in Marl liegt ein ehemaliger Friedhof, der langsam zu einem Skulpturenpark entwickelt wird. Die Arbeit Grund/Ground hatte Ullman nach der documenta 1987 vernichtet und dann identisch in Marl wieder realisiert. »Ich schaffe Orte, die leer sind und Selbstbegegnung erlauben. Sie zwingen uns zur Erinnerung.«

Den Standort unter hohen Bäumen markiert ein knapp zwei Meter tiefes Loch, eine Vertiefung in Form eines umgekehrten Pyramidenstumpfs, das in die Grasfläche eingelassen wurde. Über der quadratischen Vertiefung liegen rechtwinklig angeordnet zwei rostige Eisenträger, die oben mit Gras bewachsen sind. Dort wo die beiden Metallträger fast zusammen stoßen, ist eine Aussparung so geformt, dass sich aus einem bestimmten Blickwinkel die Silhouette eines Stuhles erkennen lässt. Er scheint frei über dem Abgrund zu »schweben«. Spätestens jetzt beschleicht den Betrachter ein unangenehmes Gefühl. Abhängig vom eigenen Standpunkt gerät ein Teil der Eisenkonstruktion aus dem Blickfeld, da deren Rasenanteil sich in die gesamte Grünfläche fast nahtlos einzufügen scheint. Grund/Ground ist die früheste Grubenplastik des israelischen Künstlers Micha Ullman in Deutschland und entstand anlässlich der documenta 8 in Kassel 1987. Ullman verweist mit seiner Grube nicht auf ein bestimmtes Ereignis, das sich mit dem Ort verbinden ließe. Doch die Nähe zu den Orten des Gedenkens auf dem Friedhof in Marl weckt Assoziationen zum Prozess des Erinnerns, des Verlustes und der Zerstörung. Der Krater ist eine Verletzung des Bodens, der Stuhl über dem Abgrund steht für Unsicherheit, Gefährdung und durchaus auch für die Missachtung des Anderen. Eine traditionelle bildhauerische Grundkonstante, das sichtbare Werk im Raum, wird von Micha Ullman negiert. Seine Skulpturen entwickeln sich primär in den oder im Boden. Oft ragt nur ein kleiner Teil plastisch empor. In der Regel gräbt er seine Werke in den Boden, und so gehören Erdreich und alle dort vorfindlichen Materialien zu seinen bevorzugten Werkstoffen. Geradezu programmatisch war eine Aktion 1972, bei der er Erdreich eines israelischen und eines arabischen Ortes austauschte. Ausführliche Gespräche waren notwendig, bevor das symbolträchtige Werk realisiert werden konnte. In Deutschland ist seine Bibliothek mit leeren Regalen unter dem Berliner Bebelplatz berühmt.

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