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Volkmar Haase

Drei Plastiken im Raum

Witten

Andreas Ren, Bochum © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Hinter dem Saalbau in Witten begegnen wir einer Plastik, die nicht nur umrundet, sondern auch durchschritten werden kann: Drei separat aufgestellte Elemente aus glänzendem Edelstahl sind räumlich und formal so aufeinander bezogen, dass sie unmittelbar als Einheit begriffen werden können. Dennoch betont der Titel Drei Plastiken im Raum die Eigenständigkeit der einzelnen Teile. Zwei von ihnen scheinen als sonderbare metallische Pflanzen aus dem Boden zu wachsen oder wie Blitze emporzuschießen, während die dritte und größte auf einem Sockel ruhend verschiedene Energierichtungen in einer kompakteren Form zusammenführt.
Ihr Urheber ist der Berliner Künstler Volkmar Haase. Er hatte bereits 1959 und 1972 eine Einzelausstellung im Märkischen Museum in Witten. Im Anschluss an die zweite Ausstellung erhielt er den Auftrag, für die Parkanlage zwischen dem neu errichteten Saalbau und der Bahntrasse eine Plastik zu entwerfen. Haases Vorschlag einer offenen Dreiergruppe, die eine skulpturale Verbindung vom Bauwerk zur Gartenanlage schaffen sollte, überzeugte sowohl Museumsleiter Wilhelm Nettmann als auch den Architekten Rolf Neuhaus. 1975 wurde der Saalbau als städtischer Bau für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen eröffnet; eine solche Mehrzweckhalle hatte bis dahin in Witten nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gefehlt. Wie die Architektur des Saalbaus selbst ist auch die Aufstellung von Haases Kunstwerk ein klares Bekenntnis zu einem modernen, zukunftsorientierten Kulturverständnis. Volkmar Haase arbeitete nahezu ausschließlich mit den industriellen Werkstoffen Eisen, Stahlblech und Edelstahl. Seine Faszination für das Material Eisen führte ihn zur Bildhauerei. An der Hochschule für Bildende Künste Berlin studierte er zwar Malerei und war Meisterschüler von Max Kaus, doch merkte er schnell, dass er dem Eisen nicht ausweichen konnte, wie er es selber einmal formulierte. Bronze hingegen, ein traditionelles Material der Bildhauerei, hatte für Haase keinerlei Bedeutung. Bei einem Bronzeguss wird das Werk zunächst in einem anderen Material entworfen, die tatsächliche Plastik wird anhand dieser Form in einer Gießerei hergestellt. Diesen Prozess übernehmen in der Regel Handwerker und nicht der Künstler selbst. Haase hingegen kontrollierte den gesamten Herstellungsprozess seiner Arbeiten, er war Künstler und Handwerker zugleich. Ihm war die unmittelbare Bearbeitung des Materials wichtig. Auch die Wittener Plastik entstand auf diese Weise im Atelier des Künstlers in Berlin. Haases künstlerische Formensprache ergibt sich aus den Eigenschaften und Möglichkeiten des Werkstoffes und ist somit konsequenterweise nicht abbildhaft: »Bei mir ist die Bindung an das Material so konkret und klar, daß kaum Illusionen entstehen können.«
Über viele Jahre beschäftigte sich Haase mit der Dreiecksform, die in der dreiteiligen Arbeit am Wittener Saalbau dominiert. Der Künstler variierte sie als offene, geschlossene oder gespaltene Form, immer aber als dynamischen Akzent und Ausdruck von Kraft und Spannung.

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