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Takashi Naraha

Die Kraft des Wassers

Gelsenkirchen

Andreas Ren, Bochum © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Mitten auf einer Rasenfläche in der Innenstadt Gelsenkirchens widersetzt sich Takashi Naraha den Gesetzen der Schwerkraft: Ein mächtiger, aus dem Bassin hervorsprudelnder Wasserstrahl hält in vier Metern Höhe einen großen Granitbrocken in der Schwebe. Zwei weitere ähnlich dimensionierte Steine lagern schwer und unbeweglich am Rand des Wasserbeckens. Ihnen gegenüber liegt ein dritter, kleinerer.
Die Kraft des Wassers löst spontanes Staunen beim Betrachter aus: Auch wenn der Wasserstrahl in der Tat eine enorme Kraft besitzt, ist diese Wucht, die den Stein in der Balance hält, verwunderlich. Der Betrachter begegnet dem Werk direkt neben dem Musiktheater im Revier, einem Ort der Fiktionen und Illusionen. Die beeindruckende Kraft des Wassers ist eine vom Künstler inszenierte Illusion, denn in Wirklichkeit hält eine Edelstahlsäule den Granitblock in der Schwebe. Sie stellt die eigentliche Basis des Steins dar, und das Wasser verhüllt wie ein Vorhang die tatsächlichen Verhältnisse. Am Fuß der Stahlsäule positionierte Düsen lassen die verschleiernde Fontäne emporsprudeln. Bei abgestelltem Wasserzustrom wäre die Entzauberung des Werks perfekt. Die Fontäne, die den Stein zu tragen scheint, wirkt wie aus einem anderen – naturhaften – Zusammenhang herausgelöst: fremdartig und ebenso bedrohlich wie faszinierend. Takashi Naraha hat Die Kraft des Wassers anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums der Gelsenwasser AG (eines der größten Trinkwasserversorgungsunternehmen in Deutschland) 1987 im Bereich des Musiktheaters im Revier realisiert. Der japanische Künstler, der seit 1975 hauptsächlich in Schweden lebt, hat für diese Arbeit schwedische Findlinge verwendet. Vor allem das Material interessierte ihn; er benutzt es häufig in seinen Installationen, die in der Regel aus geometrischabstrakten Objekten bestehen. Mandala, Kreis, Kuben, Pyramiden oder auch Zylinder sind die von ihm bevorzugten Formen. Auch wenn die eindrucksvolle Verwendung des Elementes Wasser hier das Firmenjubiläum zu illustrieren scheint, geht dies doch tiefer ins Bewusstsein des Betrachters ein. Das Objekt spielt mit Urerfahrungen und Urängsten (vor allem in einer Zeit nach dem Tsunami 2004 und vergleichbaren Naturkatastrophen). Wasser ist ebenso Bedrohung wie lebensspendendes Element, zerstörend aber auch beglückend, heilend und Energie erzeugend. Entsteht vielleicht gerade aus einem solchen Widerspruch die Faszination des illusionistischen Phänomens?

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