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Otto Herbert Hajek

Brunnen

Mülheim an der Ruhr

Carsten Gliese, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Was es bedeutet, wenn Kunst die schützenden Hallen des Museums verlässt und sich draußen in der Stadt einer Öffentlichkeit stellt, das mag wohl kaum jemand so nachhaltig erfahren haben wie Otto Herbert Hajek mit seiner Brunnenanlage in Mülheim an der Ruhr.
Am 3. Juli 1977 fand die offizielle Übergabe des neu gestalteten Viktoriaplatzes (heute Synagogenplatz) statt und bis in die aktuelle Gegenwart flammt die Diskussion um die Hajek-Skulptur immer wieder auf. Weitaus mehr als nur einen Brunnen hat Otto Herbert Hajek in Mülheim geschaffen. Es handelt sich vielmehr um eine dynamische Kunstlandschaft. Geschickt bezog er das Gefälle des Platzes und die Struktur des Straßenpflasters in den Aufbau seiner Raumplastik mit ein. Stufenweise steigen geometrisch gemusterte Plateaus im kräftigen Farbakkord von Rot, Gelb und Blau an. Einzelne kleine Quellen sprudeln aus dem Untergrund hervor, sodass sich das Wasser sanft über die farbigen Flächen ausbreitet. Aus der Ebene des Platzes erheben sich geometrische Körper, Winkel und Kuben, die zum Teil auch die Belüftungsschächte der darunterliegenden Tiefgarage integrieren. Am unteren Ende des Platzes strebt eine monumentale Stele auf rautenförmigem Grundriss in die Höhe, mit drei verschieden ausgerichteten Winkeln am oberen Ende. Hajek begreift solche Großformen als Raumzeichen, Platzmale, Stadt- oder Wegezeichen mit der Funktion eines Denk-, Menschen- oder auch Mahnzeichens.
Das Mülheimer Stadtzeichen reflektiert mit seiner metallischglänzenden Oberfläche die Farben des Platzes in den Raum hinein. Otto Herbert Hajek ist mit seinen Platzgestaltungen, informellen Plastiken und Farbwegen auf der ganzen Welt vertreten. 1976 hatte die Stadtsparkasse gemeinsam mit der Stadt Mülheim an der Ruhr einen Wettbewerb ausgeschrieben, mit dem Ziel, den größten innerstädtischen Platz, bis dahin ein beliebter Parkplatz, zu einem Ort mit Verweilqualität umzugestalten. Die Vorgaben, eine Brunnenanlage im oberen Bereich des Platzes, umgeben mit Sitzbankgruppen, Grünbepflanzungen und Kinderspielecken, sowie an der unteren Ecke eine Plastik zu konzipieren, erfüllte Hajeks Entwurf in allen Punkten und wurde mehrheitlich zum Sieger des Wettbewerbs bestimmt. Kunst im öffentlichen Raum verstand Hajek niemals nur als schmückendes Beiwerk. Es entsprach nicht seiner Arbeitsweise, Kunst zu schaffen, die sich versteckt: »Ich setze Zeichen, an denen sich der Mensch erregen kann. Über die Erregung denkt er über sich und seine Umgebung nach.«
Das heißt im besten Sinne des Wortes wach zu bleiben und Stadtraum auch als Denkraum zu begreifen, in dem die Fantasie sich frei entfalten kann. Heute stellt gerade die Kombination des Hajek-Brunnens mit dem Mülheimer Kunstmuseum, das sich seit 1993 in dem angrenzenden denkmalgeschützten Postgebäude befindet, und dem neuen Medienhaus, das 2009 eröffnet wurde, ein lebendiges, sich ergänzendes Kulturforum dar.

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