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Heinz Mack

Skulptur für Wasser und Licht

Hagen

Andreas Ren, Bochum © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Mitten in der Innenstadt von Hagen ragt ein blauer Monolith empor, unübersehbar mit drei Metern Höhe. Doch erst beim Näherkommen registriert der Betrachter, dass es sich um einen Brunnen handelt, denn beinahe unsichtbar fließt Wasser an den Wänden aus Plexiglas herunter. Kein lautes Sprudeln, die Bewegung des Wassers ist kaum wahrnehmbar und umgibt die Skulptur mit einem feinen glänzenden Film.
Eine klare Trennung von festem und flüssigem Material wird durch die Transparenz beider Materialien aufgehoben. Nahtlos gehen Glas und Wasser ineinander über und werden optisch eins – der Brunnen selbst erscheint wie aus Wasser gemacht. In der Dunkelheit illuminieren blaue LED-Strahler die Wassersäule und lassen sie als magisches Lichtzeichen erstrahlen. Eine stille Brunnenskulptur, die bei Tag und in der Nacht zum meditativen Betrachten einlädt. Der Brunnen in Hagen wurde von Heinz Mack gestaltet. Seit mehr als einem halben Jahrhundert spielt die Beschäftigung mit dem Licht in seinem Werk eine zentrale Rolle. 1957/58 gründete Mack gemeinsam mit Otto Piene in Düsseldorf die Gruppe ZERO, zu der etwas später auch Günther Uecker stieß. Vor dem optimistischen Hintergrund des Raumfahrtzeitalters und dem Countdown eines Raketenstarts verstand man ZERO als Stunde Null, als eine »unmessbare Zone, in der ein alter Zustand in einen unbekannten neuen übergeht.«
Im Protest gegen die subjektive und emotionale Gestik der informellen Malerei wurde der Vielfarbigkeit der Nachkriegskunst das Monochrome und die Reinheit des Lichts entgegengesetzt. Seit Anfang der 1950er-Jahre beschäftigte sich Heinz Mack mit der Veranschaulichung von Licht und Bewegung und experimentierte zunächst mit metallischen Reliefs, an deren Oberflächen sich das Licht bricht und das Bild in eine vibrierende Dynamik versetzt. Erste Lichtstelen und –kuben folgten. Mit Licht gelang der Sprung vom Bild über die Plastik in den Raum: Die Rotoren bildeten 1959 die ersten von Motoren angetriebenen Lichtskulpturen, in denen kreisende Reliefstrukturen das Licht beständig in den Raum fließen lassen, dem kosmischen Vorbild der Sonne nachempfunden. Solchen kinetischen Objekten schlossen sich Lichtinstallationen in den Wüstenregionen Afrikas, später auch in den eisigen Landschaften des Polarkreises an, in denen Heinz Mack mittels reflektierender Objekte immer wieder eindrucksvoll die Kraft des natürlichen Lichts vor Augen führt. Überzeugt, dass Kultur immer auch Großstadtkultur ist, und fasziniert von monumentalen Dimensionen, stellt Heinz Mack seit den 1970er-Jahren Außenplastiken und die Gestaltung öffentlicher Plätze in den Mittelpunkt seines Schaffens. Die Verbindung von Wasser und Licht in Form einer Stele, wie wir sie in Hagen erleben können, hat dabei eine lange Tradition – sie geht in ihrem Ursprung auf die Bedeutung des Obelisks als steingewordener Sonnenstrahl zurück. Als Mittelpunkt von historischen Brunnenarchitekturen erinnert der Obelisk seit jeher an die altägyptische Vorstellung vom Beginn des Lebens durch die Berührung des Wassers mit dem Licht der Sonne. Natur und Technik gehen im Werk von Heinz Mack immer wieder eine poetische Verbindung ein. »Mich fasziniert die Natur«, so der Künstler, »mich fasziniert auch die Technik; aber nichts fasziniert mich mehr als die Kunst; sie ist das letzte Paradies, das wir noch nicht verloren haben«.

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