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Dan Flavin

o. T.

Gelsenkirchen

Andreas Ren, Bochum © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Im Wissenschaftspark in Gelsenkirchen hat der amerikanische Künstler Dan Flavin in seinen letzten Lebensjahren der Nachwelt sein wohl monumentalstes Lichtkunstwerk hinterlassen. Auf dem Gelände des ehemaligen Thyssen-Gussstahlwerks und der stillgelegten Zeche Rheinelbe entstand in den 1990er- Jahren das preisgekrönte Technologiezentrum des Münchner Architekten Uwe Kiessler in einer markanten Raumgestalt. Wesentliches Element ist eine 300 Meter lange Glasarkade, die mit einer öffentlichen Wandelhalle den Baukomplex erschließt. Ihre transparente Hülle wird nach Einbruch der Dunkelheit vollständig in blaues und grünes Licht getaucht. Drei »Bäume« aus Neonröhren mit jeweils vertikalem blauen Stamm und dazu rechtwinklig angeordneten gelben Zweigen an den Aufzugschächten im Inneren des Gebäudes erzeugen die suggestive Raumwirkung. Das Licht flutet durch den Innenraum und setzt sich durch die gläserne Front nach draußen fort, wo es sein Spiegelbild findet auf der glatten Fläche eines Sees.
Dan Flavin begann in den 1960er-Jahren, das Medium Licht in seine Arbeiten zu integrieren. Bereits 1961 hatte der Künstler seine ersten Icons entworfen, Bilder, an deren Rändern elektronische Lampen befestigt waren. Hier war schon seine Absicht erkennbar, das endliche Bildfeld in ein unendliches Umfeld zu verwandeln. Ab 1963 setzte Dan Flavin dann fluoreszierendes Licht ein.
Er arbeitete mit genormten Leuchtstoffröhren und verwendete das Serienprodukt in minimalistischer Tradition als Beleuchtungskörper auch genau für den Zweck, für den es gemacht ist. Aber im Unterschied zu anderen Vertretern der Minimal Art lag sein Augenmerk nicht auf den Objekten selbst, sondern auf dem Raum, der durch das von den Neonröhren ausstrahlende Licht geschaffen wird. Neonlicht ist die Farbe der Werbung in den Metropolen der industriellen Welt, als modernes Leuchtmittel ist es auch wie geschaffen für einen Ort wie den Wissenschaftspark, der eine Schnittstelle bildet zwischen Forschung, Fortbildung und Produktion. Forschende Sachlichkeit in der Erfassung des Phänomens Licht ist zunächst auch der Anspruch von Dan Flavin. Doch trotz dieser profanen Ebene entfaltet sein Werk durchaus eine poetische und symbolische Qualität. Obwohl sich Flavin selbst gegen jeglichen Symbolismus aussprach und das reine Sehen in den Vordergrund stellte, war ihm dieser mythische Aspekt bewusst, wenn er zugab, dass die Leuchtröhren seiner Installationen »sich so verselbständigt haben, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen sind und sich zu beinahe mühelosen, aber nicht weniger geistigen Mustern gesteigert haben, die ich nicht ignorieren darf«.
Das Licht erfüllt im Technologiezentrum Gelsenkirchen eine Aufgabe, die es seit jeher besaß: Es lenkt den Blick und hebt einen Ort in das Bewusstsein des Betrachters. Flavins Vorstellung von der sphärischen Wirkung einer »Malerei mit Licht« erfährt hier zugleich eine überräumliche Dimension.

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