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Jan Meyer-Rogge

Doppelwinkel

Hagen

Andreas Ren, Bochum © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Jan Meyer-Rogge bringt seine Arbeiten auf den Punkt. Auf genau jenen Punkt, an dem die physikalischen Gesetze der Balance in Kraft treten. Auf den einzigen Punkt, der das Gleichgewicht hält zwischen Stehen und Fallen. Ist dieser Punkt erreicht, erwachsen aus den diffizilen Bemühungen des Künstlers erstaunliche Skulpturen.
Das plastische Vokabular Jan Meyer-Rogges ist bewusst auf einfache Formen reduziert: Stäbe, Kreise oder Winkel aus Stahl werden geteilt, aufeinandergelegt, ineinandergeschoben oder verkantet. Das wesentliche Moment dabei sind die Berührungspunkte, an denen die Elemente sich gegenseitig tragen und zu eigenständigen, losgelösten Skulpturen werden. Was in der Entwicklung wie ein Experiment oder eine artistische Darbietung anmutet, ist nichts anderes als exaktes Ausloten. Das Ergebnis ist eine ausgewogene Konstruktion aller beteiligten Elemente. Die Ästhetik erschließt sich nicht allein über die fertige Skulptur, sondern erwächst aus der Formerfindung, die den physikalischen Gesetzmäßigkeiten eine neue, eigene künstlerische Form verleiht. Dabei werden die ursprünglichen Ausgangsbedingungen nicht verdeckt oder verdrängt, vielmehr stellen diese fein justierten Plastiken ihre Bedingungen und den Prozess ihres Entstehens ins Zentrum ihrer Aussage. Sie wirken wie Momentaufnahmen, wie kinetische Mobiles, die in ihrer Bewegung erstarrt sind. Sie offenbaren nichts, was sie nicht auch selbst abbilden. Sie sind weder Symbol noch Synonym, sondern Zeugen physikalischer Gesetze, an denen sie sich orientieren müssen. Das künstlerische Moment zeigt sich in Vielfältigkeit und Variation. Im Wissen um ihre Gesetzmäßigkeiten und deren Grenzen liegt die eigentliche Spannung der Skulpturen. Denn ein Gleichgewicht birgt auch immer ein Ungleichgewicht in sich, das Halten auch ein Fallen. Für die Fassade des ehemaligen Technologie- und Gründerzentrums in Hagen konzipierte Jan Meyer-Rogge 1997 die Arbeit Doppelwinkel, die als Siegerentwurf aus einem Wettbewerb der FernUniversität in Hagen hervorging. Quer zu einer herauskragenden Wandscheibe an der Hauptfassade sind zwei baugleiche Edelstahlwinkel so ausgerichtet, dass sie sich im Punkt des Gleichgewichts berühren und tragen. Zusätzlich durchstößt der tragende Winkel die Betonwand mit seinem kürzeren Schenkel. Obwohl diese minimale Verbindung zur Architektur der Arbeit Halt verleiht, überwiegen das Moment der Leichtigkeit und der Eindruck einer schwebenden Skulptur. Die Spannung aller Arbeiten Jan Meyer-Rogges, ob als kleines Modell oder große Außenraumskulptur, erwächst aus dem wechselseitigen Spiel der Kräfte, die miteinander korrespondieren, einander entgegenwirken oder aufeinander einwirken.

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