07. May
– 13. September 2026,
Bochum
Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Situation Kunst featuring the Museum unter Tage
Zerfallende Wirklichkeiten.
Jaap van den Ende, Ralph Fleck und Caroline von Grone
Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Situation Kunst featuring the Museum unter Tage, Bochum
- Vernissage
- 20. September 2026 12:00
Wie entsteht Wirklichkeit im Bild und wie verhält sich die Bildwirklichkeit zur Realität? Die Ausstellung mit Werken von Jaap van den Ende, Ralph Fleck und Caroline von Grone zeigt, wie Malerei unseren Blick auf die alltäglich-vertraute Wirklichkeit verändert und sie in faszinierende Bildwelten verwandelt.
Was wir für Realität halten, ist längst nicht mehr selbstverständlich. Spätestens seit dem Auftauchen KI-generierter Bildwelten und der Verbreitung vermeintlich „alternativer Fakten“ ist das Vertrauen in einen allgemeingültigen Konsenz darüber, was Wirklichkeit ist, ins Wanken geraten. Die Ausstellung greift diese hochaktuelle Fragestellung auf und zeigt, dass Malerei seit jeher ihre eigene Wirklichkeit erschafft und zwar nicht als Abbild, sondern als sinnlich wahrnehmbare, kritische Reflexion des Sichtbaren. Ausgangspunkt aller gezeigten Arbeiten ist die präzise Beobachtung des Alltags. Unscheinbare Orte und beiläufige Situationen bilden die Grundlage für drei sehr unterschiedliche künstlerische Werkgruppen, die das Verhältnis von beobachteter Realität und ihrer Übersetzung in ein Bild auf je ganz eigene Weise ausloten.
Caroline von Grone ist dabei diejenige, deren malerische Auseinandersetzung mit der Realität am wenigsten verfremdet oder abstrahiert erscheint: In ihren oft seriell angelegten Werken verbindet sie dokumentarische Genauigkeit mit einer intensiv leuchtenden, eigenständigen Farbigkeit. Dadurch gewinnen alltägliche Orte eine unerwartete Präsenz und laden dazu ein, genauer hinzusehen. Die über einen längeren Zeitraum beobachteten und sich daher in den einzelnen Bildern wandelnden Erscheinungen der Motive verweisen darüber hinaus auf die Veränderbarkeit von Wirklichkeit.
Der kürzlich verstorbene Künstler Ralph Fleck entwickelte aus alltäglichen Motiven wie Müllhalden oder Häuserfassaden eine unverwechselbare Bildsprache. Seine seriellen Arbeiten konzentrieren sich auf Strukturen, Rhythmen und ganz wesentlich auf die konkrete Materialität der Farbe. Die auf diese Weise entstandene Betonung der Realität des Bildes als Objekt steht in Wechselwirkung mit dem malerisch umgesetzten Bildmotiv, das wiederum die Frage nach dessen Bezug zur Wirklichkeit aufwirft.
Einen wieder anderen Weg beschreitet Jaap van den Ende. Er verbindet in seinen mehrteiligen Bildern wiedererkennbare Szenerien mit abstrakten geometrischen Elementen, die auf der beobachteten Wirklichkeit basieren und über Form und Farbe einen Bezug zu den realistisch erscheinenden Bildteilen herstellen. Seine Werke konfrontieren Gegenständlichkeit und Abstraktion miteinander und lassen die Grenze zwischen Realität und Bild zunehmend bedeutungslos erscheinen.
So unterschiedlich diese drei künstlerischen Zugänge auch sind, verbindet sie das Interesse am vermeintlich Banalen, an Motiven, die im Alltag häufig unbeachtet bleiben. In der malerischen Bearbeitung der drei Künstler:innen entfalten diese Orte jedoch eine besondere Intensität. Die Bilder spielen mit Ordnung und Unordnung, Übersicht und Fragmentierung, Erkennbarkeit und Auflösung. Sie zeigen, wie Malerei die beobachtete Wirklichkeit nicht nur festhält, sondern interpretiert, strukturiert und in neue Zusammenhänge überführt. Gerade dort, wo die Bildwirklichkeit von der alltäglichen Wahrnehmung abweicht, entstehen überraschende Momente. Das Vertraute erscheint fremd, das Gewöhnliche außergewöhnlich. Die Ausstellung lädt dazu ein, den eigenen Blick zu hinterfragen und macht erfahrbar, dass Wirklichkeit kein festgelegter Zustand ist, sondern immer wieder neu entsteht – im Sehen, im Denken und im Bild.