Die Kids sind nicht alright!

Eine Ausstellung des Kunstgeschichtlichen Instituts der Ruhr-Universität Bochum

Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Situation Kunst featuring the Museum unter Tage, Bochum

Grafik: Benjamin Friedl
Vernissage
06. May 2026 18:00

Als im Jahr 1989 die Mauer fiel, waren die Künstler:innen der Gruppenausstellung Die Kids sind nicht alright! alle noch Kinder. Aufgewachsen in den Vor- beziehungsweise Nachwendejahren, die für die Eltern- oder Großelterngeneration vor allem Neuorientierung, Risiko und Krise bedeuteten, setzen sie sich in den ausgestellten Arbeiten mit ihren Sozialisationserfahrungen in der DDR und der eigenen Familiengeschichte auseinander. Es werden Fragen nach Identität, Herkunft und damit verknüpften möglichen und unmöglichen Chancen verhandelt, verbunden mit einem kritischen Blick auf die beiden politischen Systeme in Ost und West sowie auf gesellschaftliche Werte und ökonomische Herausforderungen.

Im Zentrum der Ausstellung stehen sowohl die Identitätssuche der Künstler:innen als auch die Auswirkungen der strukturellen Bedingungen der Nachwendejahre auf die eigene Biografie. Die künstlerische Auseinandersetzung mit den Folgen des tiefgreifenden ökonomischen und politischen Strukturwandels in Ostdeutschland eröffnet Verbindungspunkte zum Ruhrgebiet. Auch hier gehören die sichtbaren Folgen des industriellen Wandels im Landschafts- und im Stadtbild, Migrationserfahrungen und gestiegene Arbeitslosigkeit vor dem Hintergrund einer grundlegenden wirtschaftlichen Neuausrichtung in den letzten Jahrzehnten zu den Erfahrungswerten heutiger Generationen. Mit Blick auf die politische Gegenwart kommt die Frage auf, wie erfolgreich die Wiedervereinigung angesichts heutiger demokratiefeindlicher Bestrebungen verlaufen ist und welche Perspektiven und Narrative die Erinnerungspolitik der Nachwendezeit bis heute bestimmen.

Das im Titel formulierte „Nicht-einverstanden-Sein“ der damaligen Kinder der Wendejahre ist als persönliche Ergänzung zu verstehen, durch die das vorherrschende Narrativ der deutschen Wende und der anschließenden Umbruchsjahre hinterfragt wird. Die ausgestellten Werke erweitern eine oft verallgemeinerte Geschichtsschreibung um eigene, stark persönlich geprägte Erfahrungen und machen Lebensrealitäten sichtbar, die bislang wenig Beachtung fanden.

Vor dem Hintergrund dieser regional wie national erlebten Umbrüche ermöglicht die Ausstellung einen Dialog zwischen den vom postindustriellen Strukturwandel indirekt betroffenen Generationen in Ost und West sowie den Austausch über gemeinsame Erfahrungen des Verlusts und der Neuorientierung, die auch in Bezug auf aktuelle politische Entwicklungen einen zentralen Stellenwert besitzen.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Elisabeth Kaiser,
Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland

Kuratorin: Dr. Meta Marina Beeck

Mit Werken von
Nadja Buttendorf, Susan Donath, Sophia Hirsch, Florian Kunert, Eric Meier, Minh Duc Pham, David Polzin, Oskar Schmidt, Manuel Sékou und Anna Zett

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