Foto: Andreas Ren, Bochum

Stadt
Essen
Ort
Hohenzollernstraße
Künstler
Max Bill
Jahr
1974
Maße
135 x 120 x 100 cm
Material
Tranasgranit, poliert

Max Bill

Unendliche Schleife

Elegant, dynamisch, leicht – so wirkt die virtuos auf einem schmalen und langgestreckten Betonsockel platzierte Unendliche Schleife des Schweizer Künstlers Max Bill. Der rötlich braune Ton des Tranasgranits erhält durch die hochpolierte Oberfläche zahlreiche helle Lichtreflexe, die der Skulptur eine Leichtigkeit und zuweilen sogar Beweglichkeit zu verleihen scheinen. Unendlich kann der Blick der Form folgen, kehrt stets zu schon bekannten Stellen zurück und entdeckt neue Nuancen in der Farbe, im Spiel des Lichtes und der perfekt geschliffenen Figur. Das spielerische Hin- und Hergleiten der Augen wird von der intellektuellen Neugier des Betrachters hinsichtlich der eigentlichen Aussage und Konstruktion unterbrochen. Keine Naht, kein Anfang oder Ende ist erkennbar – wahrhaft »unendlich« ist diese besondere Schleife in der Tat.

Sie ist nach dem Prinzip des Möbiusbandes konstruiert, das eine unendliche Kante besitzt und Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Leipziger Mathematiker und Astronomen August Ferdinand Möbius beschrieben wurde. Max Bill war von der Idee einer solchen Figur fasziniert und hat sich vor allem in den 1930er-Jahren und dann wieder in den späteren 1940er-Jahren damit beschäftigt. Es entstand eine Reihe von Zeichnungen, Modellen und Skulpturen wie die im Essener Stadtpark. Das Spiel und Ausloten von harmonischen Formen, die sich wie selbsttätig und selbstverständlich im Raum bewegen, ist eine der Konstanten im Werk des Künstlers. Er gehörte zur Zürcher Schule der Konkreten, die mit ihren Werken auf nichts verwiesen, kein Abbild der Natur oder eine Illustration schaffen wollten. So entstand eine Reihe von Papierformen, die von Bill sowohl spielerisch als auch experimentell in ihren Möglichkeiten ausgelotet wurden. Er war begeistert von Modernität und Technik in einer sich immer schneller verändernden Welt, die für ihn auch zunehmend im Lebensalltag der Menschen sichtbar werden sollte. Die Skulptur im Essener Park, aufgestellt in der Nähe des Aalto-Theaters und der Philharmonie, wurde von Max Bill bereits in den 1930er-Jahren realisiert, als er den Auftrag erhielt, ein Kunstwerk für die Industrieausstellung in London zu entwerfen. Nachdem ihm dies nicht im vereinbarten Zeitraum gelungen war, wurde die Skulptur 1936 auf der Triennale di Milano gezeigt.