Foto: Carsten Gliese, Köln

Stadt
Marl
Ort
Creiler Platz
Künstler
Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff
Jahr
1969
Maße
160 x 510 x 230 cm
Material
Chromnickelstahl dreiteilig

Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff

Naturmaschine

Diese aus drei Teilen bestehende Plastik kann als eines der besten Beispiele des Werks der beiden Künstler aus der Zeit um 1969 angesehen werden. Aus drei glänzenden Chromnickelstahl-Würfeln quellen wuchtige, schlangenartige »Wülste« hervor, in ihrer Oberflächenstruktur durch aneinandergeschweißte Stahlstäbe ebenso gegensätzlich zu den glatten Würfeloberflächen wie in den Grundformen:

Den strengen, kühl wirkenden Würfeln, mathematisch präzise und rational der Maschinenwelt entsprungen, stehen die schmiegsamen und weichen Biegungen der runden Schlangenbänder gegenüber. Die Wülste durchdringen die Würfel mit einer optisch nachvollziehbaren Kraft und verkanten die Quader in unnatürliche Stellungen. Es scheint, als seien die geometrisch-einfachen Würfel von einer Riesenschlange durchdrungen, in Bewegung geraten, verlebendigt. Die Kraftlinien bleiben jedoch nicht in die Quader eingebunden, sondern sie setzen sich fort in den freien Raum um die Skulptur und beziehen diesen als weitere Dimension in die Gesamterscheinung der Plastik mit ein: Hier zeigen sich die Einflüsse der Lehrmeister Henry Moore und – besonders – Antoine Pevsner. Aus der Beschreibung der Skulptur ist ihr Name Naturmaschine leicht abzuleiten: Die Vermischung, Durchdringung von Organisch-Bewegtem mit Maschinell- Konstruiertem ist offensichtlich. Der Versuch des Künstlerpaares, scheinbar unüberwindbare Gegensätze wie Technik und Natur, Ruhe und Bewegung, ja, Tod und Leben zu vereinen und in einem Kunstwerk durch dessen optisch-anschauliche Formung auszudrücken, ist gelungen. Die Skulptur Matschinsky- Denninghoffs lebt ganz allein aus formalen künstlerischen Mitteln, die Gedankenassoziationen beim Betrachter provozieren. Richtungsweisend und als weiterer Anhaltspunkt verfestigt der Name der Skulptur Naturmaschine die Gedanken zur belegbaren Interpretation.